Probleme.

###NA Intern Sonstwo Van Aalensen Herzinfarkt SoSi Mehrfach:

Schon die Fahrt zu unserem Patienten war etwas besonderes. Es war Nacht, es war Winter und es lag eine Menge Schnee in der Lanschaft rum.
Alles wird für einen Moment blau und verschwindet dann wieder in der Dunkelheit.
Nichts von dem was ich schreibe ist übertrieben, geschönt oder aufgeblasen. Wie sonst auch. Muss man im Rettungsdienst auch nicht, das echte Leben ist absurd genug.
Wir fuhren den Hof über eine mit weißem Kies gesäumte Einfahrt an. Im Halbdunkel links nahm ich eine große, dunkle Limousine war. Vor dem Haus parkte bereits der RTW, wir stellten uns dahinter, Platz genug wäre noch für den gesamten Löschzug gewesen.
Hinter der Tür gab es eine Eingangshalle. Etwas anderes als Halle trifft es einfach nicht. 20m breit, 15m hoch, beidseits ein imposanter Treppenaufgang. Zum Glück gab es hier viel Platz für Kunst. Da hingen echte, originale Gemälde und zwar nicht von Künstlern der lokalen Volkhochschule sondern solche die man woanders als Poster kaufen kann.
Unser Patient wartete bereits im Obergeschoss auf einer Art Liegewiese (unter einem „Bett“ stelle ich mir etwas schnöderes vor) und war offensichtlich nicht gut dran. Kaltschweißig, blass und kurzatmig präsentierte er sich als offensichtlicher Stammkunde umliegender Fachkliniken. Der Pat. nahm uns viel Arbeit ab indem er gleich mal den Fahrplan festlegte.
„Ich habe einen Herzinfarkt und ich muss nach Bad Oeyenhausen“. Dazu muss man sagen, dass Bad Oeyenhausen sicher eine exzellente Wahl für diesen Patienten gewesen wäre, sich aber leider in einer Entfernung im dreistelligen Kilometerbereich befindet. Für uns und mit diesem Patienten unerreichbar.
Mein Versuch den Pat. davon zu überzeugen mit uns in eine sehr gute Klinik der Maximalversorgung direkt in der Nähe mitzukommen schlug fehl. Der gut gemeinte Tipp, dass man nach Bad Oeyenhausen ja einen Hubschraubertransport benötigen würde wurde von ihm gar nicht als Problem wahrgenommen. Er zählte flux die Mannschaft durch und gab seiner Frau bekannt, Anja (Concierge?Privatsekretärin?) solle umgehend einen Hubschrauber – nein, halt, wir sind ja zuviele für einen Hubschrauber – besser zwei Hubschrauber bestellen. Gut, es war nachts, es gab natürlich keinen Hubschrauber (für diesen Patienten…) und wir entschieden uns für den naheliegenden Maximalversorger.
Der Rettungsassistent wollte dafür kurz mit der Leitstelle sprechen. Da unsere Handys im ländlichen Bereich nicht funktionierten bat er darum kurz das Telefon benutzen zu dürfen. Er verschwand daraufhin für ein paar Minuten im Büro – und kam deutlich blasser zurück.
Wir brachten den Pat. ins Krankenhaus, es erfolgte die infarkttypische, weitere Therapie.
Es war sein dokumentierter und amtlich beglaubigter vierter Herzinfarkt bei Z.n. 3-Gefäß-KHK (mehr geht nicht) mit Z.n. Bypass-OP und Revision einer Bypass-OP… kurz gesagt, der Mann war todkrank. Letztlich muss man sagen, dass dem Mann mit diesem Herz nicht mehr viel Zeit blieb.

Auf dem Rückweg erfuhr ich dann auch warum mein Fahrer so blass aus dem Büro zurückkam.
„Du glaubst mir das nicht.“
Hau raus…
„Narkosearzt, auf dem Schreibtisch lag ein Zettel.“
Sachen gibts.
„Da stand was drauf“.
Ist der Sinn eines Zettels. Jetzt musst Du liefern…
„Rücksprache Bank erbeten, Finanztransfer empfohlen. Girokonto > 1,5 Mio.€“.
Das sind Probleme!

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