Der ewige Gewinner.

Für den Mediziner ist der Tod die ultimative Niederlage. Es ist der größte Feind und er gilt bekämpft, mit allen Mitteln. Bis zum Schluss. Und sei es auch die drölfte Chemotherapie, dem Patienten wird immer erzählt da geht! noch! was!
Warum eigentlich?
Schon wenn wir geboren werden ist klar, dass dieses kleine Herz auch irgendwann wieder aufhören wird zu schlagen. Warum muss man dann so krampfhaft alles tun um das unvermeidliche zu vermeiden? Warum vor allem scheuen sich Mediziner so sehr auch mal klar zu sagen: hier ist ein Leben gelebt worden und jetzt geht es zu Ende. Warum?
Die Antwort ist relativ einfach und für den Patienten, noch mehr aber für die Angehörige von schmerzhafter Konsequenz. Der Arzt wird darin ausgebildet zu helfen. Zu heilen. Zu retten. Den Tod als finale Niederlage zu akzeptieren wiederstrebt allem, was ein Mediziner im Studium und in der Ausbildung lernt und anderen lehrt. Und deshalb meidet der gemeine Arzt den Tod so konsequent es irgend möglich ist. Es wird nicht über das Ableben gesprochen (im Hospiz? Zuhause im Bett mit palliativer Pflege? Auf der Intensivstation? Beatmet?) sondern lieber nach weiteren lebensverlängernden Maßnahmen gesucht (Chemo? Bestrahlung? Heimbeatmung? Dialyse?). Den Patienten wird oft in blumigen Worten (ich war oft genug dabei!) von all den Möglichkeiten erzählt. Damit verbundene Einschränkungen werden wenn überhaupt sehr selten und mehr als Fußnote, kleinlaut und im Flüsterton und auch nur auf explizites Nachfragen erwähnt. Und Nachfragen kommen glücklicherweise sehr selten.
Nein, eine Chemotherapie ist kein Ponyhof. Und eine Dialysetherapie heißt mindestens dreimal die Woche für ca. 8 Stunden im Krankenhaus sitzen, dazu unzählige Katheterwechsel, tausend neue Medikamente, tausend mal tausend Nebenwirkungen und irgendwann das unter Medizinern berühmte „Dialysehirn“.
Die Vermeidung des Todes hört aber nicht mit dem Tod auf. Manche Patienten erdreisten sich tatsächlich zu sterben, tun dies dann auch noch im Krankenhaus und werden dann mit Laken überm Gesicht (warum eigentlich?) über den Lastenaufzug schnell in den Keller gefahren und von dort aus in einem abgedunkelten Fahrzeug abtransportiert. Ist der Tod so etwas grausames? Oder ist es nicht viel grausamer, wenn man sich ständig darum bemüht ihn zu verdrängen?

Vor ein paar Jahren lernte ich (damals noch Student) einen Patienten, Herr Postel, 54 J.  kennen. Seineszeichens im Amateurbereich erfolgreicher Fahrrad-Rennfahrer, immer viel an der frischen Luft, nie geraucht, jetzt mit metastasiertem Bronchialkarzinom*. Traurig, tragisch, ohne Frage. Der Familie wurden die üblichen Gespräche angeboten (ja, Chemo, auf jeden Fall… gute Prognose…müssen alles versuchen… noch keine Lebermetastasen…).
Für Mediziner ein klarer – weil hoffnungsloser – Fall. Für den Patienten und die Familie – aufgrund mangelhafter Aufklärung – eine ernste, aber zu überstehende Erkrankung. Nach außen sah man ja wenig von dem Tumor.
Herr Postel starb inmitten eines seiner unzähligen Chemotherapiezyklen – für einen Tumorpatienten typisch- sehr plötzlich, er hatte eine massive Lungenembolie (Verlegung der Hauptblutbahnen der Lunge). Nicht alle Tumorpatienten sterben einen langsamen Tod. Der Tumor macht tausend Veränderungen im Körper, eine mögliche Folge sind Gefäßgerinnsel mit plöztlichen Schlaganfällen oder eben Lungenembolien.
Die Familie fiel aus allen Wolken. Der wäre doch noch so gesund gewesen, sie haben doch noch im Garten gesessen, von Tod wäre überhaupt nie die Rede gewesen.
Die behandelnden Mediziner wiederum waren perplex. Für sie war es unausgesprochen (!) klar, dass diese Erkrankung zum Tode führen würde. Nur war eben nicht klar, wann.

Das Problem für die Familie war, dass es ein Unternehmen gab, welches von Herrn Postel als Geschäftsführer geleitet wurde. Ausstehende Großaufträge waren an seine Person gebunden, Verträge und prokuristische Rechte waren alleine für ihn festgeschrieben. Es gab keine Vorsorge, weil keiner damit rechnete, dass man an sowas auch mal sterben könne. Die Firma wurde letztlich unter den beiden Söhnen aufgeteilt, der eine wollte, der andere wollte nicht, das Erbe wurde ausgezahlt, die Firma verkauft, letztlich insolvent, die Mitarbeiter arbeitslos.
Klar, hätte man auch unabhängig von der Erkrankung viel eher vorsorgen müssen aber  hier trifft die behandelnden Mediziner nach meinem Erachten eine Teilschuld, weil wieder mal das unvermeidliche gemieden wurde.

Und so bleibt am Ende als ewiger Gewinner immer der Tod. Ich für meinen Teil sehe den Tod als Teil des Berufs, Teil der Krankheit. Ich freue mich, wenn ich Menschen durch Gespräche oder auch Medikamente die Angst vor dem Tod nehmen kann. Statt Angst vor einer erneuten Niederlage gegen den ewigen Gewinner zu haben konzentriere ich mich darauf den Angehörigen Mut zu machen ihren geliebten Menschen gehen zu lassen und dann den letzten Weg gemeinsam zu gehen. Oft erlebt man dabei wunderbar friedliche Momente. Solche Gespräche dauern manchmal eine Stunde, manchmal auch länger und sind in jedem Fall aufwendiger als eine Dialyseanlage ins Zimmer zu fahren und anzuschließen aber sie sind wichtig und gut und richtig.
Es gibt ein Umdenken in der jungen Medizinergeneration, ich glaube wir sind da auf einem guten Weg.

*metastasiert: der Tumor hat im ganzen Körper gestreut, auch als Tochtergeschwulste bezeichnet (warum eigentlich Töchter?), per definition wird in fast allen Fällen nur noch die Symptome (Schmerzen etc.) des Tumors, nicht mehr die Ursache bekämpft weil dieser überall ist

*Bronchialkarzinom: unter den fiesen und bösartigen Krebsarten eine besonders heimtückische weil man ihn meist erst bemerkt, wenn es zu spät ist. Macht gerne Tochtergeschwulste im Gehirn.

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21 Gedanken zu “Der ewige Gewinner.

  1. Ich bin Assistenzärztin in der Hämatologie/Onkologie. Ich (wie auch meine Abteilung) sind davon überzeugt, dass jeder Patient und seine Angehörigen ein Recht haben, offen über die Erkrankung und die Prognose aufgeklärt zu werden. Natürlich ist es immer schwierig, die Frage zu beantworten, wie viel Zeit denn noch bleibt. Aber wenn eine Erkrankung nicht heilbar ist, muss der Patient das wissen. Denn jeder hat noch Dinge zu regeln, Urlaube zu planen oder abzusagen, etc. So kommt es natürlich auch zu Situationen wie „der Arzt gab mir noch 2 Monate, jetzt lebe ich schon 2 Jahre“. Leider habe ich auch schon Patienten und Angehörige gesehen, die mehrfach aufgeklärt wurden, aber diese Dinge einfach nicht annehmen konnten oder wollten. In solch einem Fall kann der „plötzliche“ Tod dennoch überraschend kommen.
    Und dann gibt es da noch die Familien, die ihren Angehörigen um jeden Preis schützen wollen. Die die Ärzt vor dem Zimmer abfangen und anflehen, dem Patienten nichts über die Erkrankung und Prognose zu sagen. Auch hier bin ich der Überzeugung – und das erkläre ich auch den Angehörigen – dass der Patient das Recht hat auf ein offenes Gespräch. Möchte er dann keine weiteren Informationen, muss ich das akzeptieren.
    Doch auch vermeintlich gutartige Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Leberzirrhose kommen für diese Diskussion in Frage. Und ich bin jedes Mal erschüttert, wenn auch bei solchen Erkrankungen niemand die Prognose angesprochen hat.

    1. Hallo J.! Vielen Dank für Deinen Post! Ich freue mich immer sehr, dass Du hier hin gefunden hast. Innerklinisch haben wir ja doch eher seltener miteinander zu tun.
      Ich finde es klasse, wie ihr es handhabt und ich bin mir auch sicher, dass es ganz viele sehr gute Beispiele gibt. Ich denke man kann solch ein Fehlverhalten weder auf eine bestimmte Fachabteilung festlegen noch andere Fachabteilungen davon freisprechen. Ich kann Dir in jede Richtung Beispiele nennen, entscheidend ist doch, wie man es selber handhabt und da finde ich Deine Einstellung klasse! Genau darum geht es doch. Wir handhaben es übrigens in der Prämedikationsvisite genauso! Wenn ein Patient sagt, er möchte keine Aufklärung und vertraut uns da wird das so dokumentiert. „Pat. verzichtet auf weitere Aufklärung, ist mit allen anästhesiologischen Maßnahmen im Rahmen des operativen Eingriffs einverstanden, keine weitere Bedenkzeit erbeten, keine weiteren Fragen“. Dann ist das auch gut.
      Nochmal vielen Dank für Deinen Eintrag!

  2. Hmm…
    Ich habe es schon öfters genau anders herum erlebt. Da haben Krebspatienten die zweite oder dritte Chemotherapie verweigert und wollten einfach nur „in Ruhe sterben“ und die Ärzte standen schockiert und sprachlos daneben….
    Also ehrlich: einem Patienen in einem wie von Dir beschriebenen Fall was von „guter Prognose“ zu erzählen, finde ich unter allem Anstand! Das ist eine glatte Lüge, die die Dinge nicht besser, sondern schlimmer macht. Wie soll man sich denn da als Patient/Angehöriger vorbereiten?
    Der Tod ist durch Wohlstand, Frieden und Fortschritt sehr weit aus unserem Alltag verschwunden. Und eben diese Dinge sind es glaube ich auch, die uns suggerieren, jeder könne, mehr noch, jeder MÜSSE eigentlich mindestens 80 Jahre alt werden.
    Umso schockierender, wenn es anders kommt.
    … Deine Einstellung find ich gut!
    LG

    1. Grüß Dich Jeb! Es ist ja Teil meines Blogs und der hier dargestellten Geschichten, dass ich auch mal die subjektiv krasseren Fälle darstelle. Aber sie passieren so, täglich, hundertfach, überall. Aber es gibt auch ganz viele tolle Beispiele (s. den Beitrag von J.!). Danke!

  3. Ich hab 2 Geschichten erlebt: 2011 kam sowohl bei meiner Mutter wie auch bei meinem Opa die Diagnose Krebs. 2 mal hies es, dass es gut ausgeht. Mein Opa hatte Hautkrebs (hatte ich erst mal für harmlos befunden), der dann leider gestreut hat. Er hat es nicht geschafft, Chemos wurden mehrfach aufgrund des schlechten Allgemeinzustandes abgebrochen. Ich hab es leider nie geschafft, meinen Großeltern für so Dinge wie Patientenverfügung zu begeistern.
    Das komplette Gegenteil gab es bei meiner Mum (Brustkrebs). Der Krebs wurde rechtzeitig entdeckt, war dadurch der erste kleine Tumor, der so „fertiggemacht“ wurde. Er konnte komplett entfernt werden (es waren auch keine Lymphknoten angegriffen). 3 Chemos, 1x Antikörper, Bestrahlung und Hormone. Heute ist nichts mehr zu merken, ausser der noch etwas kürzeren Haare.
    Ihr wurde eine Lebenserwarung von noch mehr als 50 Jahren prognostiziert (dann müsste sie fast 100 sein). Faltenfrei durch Wassereinlagerungen durch die Chemos hat auch was für sich: Man wird für jünger gehalten. 😉
    Ich bin da einfach für realistisch bleiben. Beide Richtungen sind möglich.

    1. Hallo Julia! Ganz herzliches Willkommen hier an Bord des Narkosedampfers!
      Ich gebe Dir Recht, dass es in jede Richtung die komplette Streubreite gibt. Man muss es mal klar sagen, es gibt supertolle Ärzte und Ärztinnen die mit voller Motivation und Empathie für ihre Patienten kämpfen, klare Ansagen machen da wo es nötig ist, Gespräche anbieten, zuhören, echte Helden wie ich finde. Und es gibt eben auch die anderen, sonst hätte ich ja auch manchmal etwas wenig in meinem Blog zu erzählen. 😉
      Wie J. schon geschrieben hat, ist das so eine Sache mit den Prognosen. Es geht auch gar nicht darum jeden zu einer Patientenverfügung zu zwingen oder sich mit dem Tod auseinander zu setzen, denjenigen die eine Aufklärung zu ihrer Krankengeschichte möchten, sollte man diese Chance nicht nehmen.

  4. Ich habe ja nun leidlich wenig Ahnung von der Onkoligie – aber das „Tochtergeschwulst“ liegt vielleicht deshalb nahe, weil auch Metastasen metastasieren können. Da die „direkte, offensichtliche“ Fortpflanzungslinie nun aber doch eher etwas weibliches ist… Ein bisschen OT: Bei den Kelten ging die Königswürde von der Mutter auf die Tochter über. Die Kelten damals wußten: Bei der Mutter kann man sich sicher sein! (Ja, damals war die Eizell-Spende noch nicht erfunden…) 😉

    Dass der Tod der ultimative Gegner ist, kommt sicher auf den Blickwinkel an. Mein Großvater, mit fast 90 Jahren immer noch aktiv im Beruf, wurde durch die Wende aus seinem Leben katapultiert. Plötzlich – mit zwangsweiser Einführung von EDV – konnte er das, was er sein Leben lang tagtäglich gemacht hat, nicht mehr sinnvoll erbringen. Er hatte sein Leben lang in seinem Beruf gegen unterschiedliche Systeme und Bürokraten angekämpft – den Kampf gegen die EDV wollte und konnte er nich mehr führen. Er wurde schwer krank – von seinem überstandenem Nierenkrebs unter Verlust einer selbigen, als er ca. 60 Jaher alt war, erfuhr ich erst viele Jahre nach seinem Tod – und verstarb innerhalb relativ kurzer Zeit. Im Nachhinein bleibt die Vermutung, dass er „seinen Lebenswillen verlohren“ hatte. Das Wort „Patientenverfügung“ war zu diesem Zeitpunkt meines Wissens nach noch nicht erfunden. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er seinen Tod nicht als „Endgegner“ sondern als weiteren und wahrscheinlich letzten Schritt in (s)einem bewegten und ereignisreichen Leben sah. Und „100 Geräte für 2 Tage länger“ hätte er sich, so wie ich ihn kannte, sicher nicht gewünscht…

    1. 100 Geräte für 2 Tage… muss ich mit merken. 😉
      Du hast ja recht, die Situation bei Deinem Großvater ist ja aber wieder eine ganz andere. Und ja, es gibt auch müde Lebensgeister als Todesursache. Wir erkennen sie nur oft nicht als solche an. Interessant dazu auch die Tako-Tsubo-Kardiomyopathie, auch als Broken-Heart-Syndrome bekannt, das betrifft dann eher junge Menschen.
      Und das kennt man ja auch von alten Ehepaaren. Leben 75 Jahre zusammen und sagen dann oft zeitgleich Lebewohl. Eigentlich etwas schönes.

  5. Hallo Narkosearzt,
    ein toller Artikel.
    Was ich beeindruckend finde, dass sich im Verlauf der Diskussion herausgestellt hat,
    dass entscheident der Wille des Patienten sein muss. Dass der eine wissen will, und der andere eben nicht.
    Und dass das respektiert werden muss, auch wenn man persönlich vielleicht anderer Meinung ist.
    Gruss Landkraut

    1. Herzlich Willkommen! Und Danke!
      Ich bin auch jedes mal erstaunt wie heiß und produktiv/konstruktiv manche Themen diskutiert werden.
      Wenn man so denkt (“ Ich möchte mir darüber keine Gedanken machen…“) sollte man das übrigens auch schriftlich festhalten. Es gibt dann so Formulierungen à la „die Ärzte mögen nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden“. Halte ich persönlich für etwas heikel aber nun gut.

      1. aua nein, das würde ich nicht machen, die ärzte entscheiden lassen..
        dann falle ich so nem wiedergeborenen christen in die hände, der meint, leiden gehöre zum leben dazu, und dies bis zur bitteren Neige.
        Oder habe ich dich jetzt falsch verstanden?
        ich habe es so gemacht, wie ich es meinen Mandanten auch geraten habe.
        Patientenverfügung sorgfältig ausfüllen, mit denen, die es angeht, drüber reden, und gut ist.
        Wobe der Patientenverfügungsbusiness echt heikel ist.
        Gruss Landkrauter

  6. Narkosearzt schrieb:

    „Interessante Frage. Mir kommt nur immer wieder in den Sinn, warum sich so viele gegen aktiv gelebtes Christsein sträuben. Es wird allerortens Toleranz gepredigt (sic!) aber wehe man kommt mit so etwas natürlichem wie einem lebendigen Glauben. Leute, das ist eine der Grundlagen unserer Kulturen! Etwas völlig normales. Und offensichtlich für manche doch etwas ganz und gar bedrohliches, weil es könnte ja am Ende doch mehr dran sein. Ich bete für meine Patienten. Ich bete auch als Notarzt wenn ich zu einer wirklich schwierigen Situation gerufen werde und selbstverständlich würde ich auch mit einem Patienten gemeinsam beten, wenn dieser mich darum bittet. Ganz normal, eigentlich.“

    Nach deinem Kommentar bei Medizynicus (siehe Zitat), in dem Du offenlegst, dass Du an Gott glaubst und dich auf eine Behandlung mit einem Gebet vorbereitest (Notarztdienst), sehe ich diesen Blogeintrag unter einen ganz anderem Licht. Ja, es rückt Dich als Arzt in ein ganz anderes Licht. Ein besorgniserregendes Bekenntnis.

    Zu einem imaginären Freund zu beten ist nichts völlig normales!

    Unsere Gesellschaft wird auf freiheitlicher, demokratischer basis Geformt durch Recht und Gesetz. Moralischen Grundstein bieten die Menschenrechte. Das christentum hat natürlich einen historischen Einfluss auf die Entwicklung ist aber beileibe nicht der Grundstein unserer Gesellschaft! Seit ein paar hundert Jahren nicht mehr! Man man man!

    Gerade in der Medizin sollten Entscheidungen völlig losgelöst von kirchlichen Dogmen sein und evidenzbasiert-rational gefällt werden. Alles andere ist kriminell! Auch für Empathie brauche ich keine Religion, sondern eine vernünftige Sozialisation/einen gesunden Verstand.

    Bei einem Arzt, der Toleranz für „lebendigen Glauben“ fordert, könnte ich kotzen! So ein beschämender Schwachsinn! Religion ist privatsache. Sie hat im öffentlichen Raum, z.B. bei der Arbeit und in der Politik nichts verloren. Punkt!

    Ich empfehle „Richard Dawkins – Der Gotteswahn“ als Pflichtlektüre!

    1. Ach Du meine Güte!
      Wo soll man denn da anfangen?
      Wie können Sie es wagen, den Glauben eines anderen Menschen so zu beleidigen und dessen Gott als „imaginären Freund“ zu bezeichnen!? Schämen sollten Sie sich!
      Der Narkosearzt hat nie behauptet, „religiös“ zu behandeln oder medizinische Entscheidungen zu treffen, sondern hat nur gesagt, er würde beten – vor Einem Einsatz -wohl, dass nichts ganz so Schlimmes passiert ist – und auch sonst für seine Patienten. Was ist schlimm daran? Anderen Menschen etwas Gutes zu wünschen? Täten das mehr Menschen, wäre die Welt ein gutes Stück besser!
      Und mal noch so ganz am Rande: auch für Ihren Nicht-Glauben soll doch Toleranz aufgebracht werden, oder? Dann aber bitte nicht Andere beleidigen, geht jawohl gar nicht!
      Und da dass Christentum schon „seit ein paar hundert Jahren“ keine Rolle mehr zu spielen scheint, schicke ich meine Grüße an Sie einfach mal raus ins Weltall, da Sie und ich offenbar auf verschiedenen Planeten leben!
      Ja, ich rege mich gerade ziemlich auf über Sie! Den sehr netten und mit Sicherheit auch sehr kompetenten Narkosearzt hier so zu beleidigen, da krieg ich echt so `nen Hals!
      Und wenn Jemand so wie Sie über den Glauben anderer herzieht, kann es mit der eigenen Emphatie auch nicht sehr weit her sein! Troll!

      1. PS: Also in MEINER Ausgabe der Menschenrechte (Planet Erde!) steht übrigens auch so komisches Zeug, von wegen, niemand dürfe wegen seines Glaubens diskriminiert werden; steht sogar glaub ich ziemlich weit vorne…

    2. Hallo Peter. Harte Worte, aber trotzdem danke für Dein Feedback. Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets, da weiß man eine ehrliche Meinung zu schätzen.
      Auch bei Dir ist diese auffällige Aggression in der Argumentation. Lass doch einfach jedem seinen Glauben oder Nicht-Glauben,
      wenn Du es für Schwachsinn hältst. Aber wenn es wirklich nur Hirngespinste wären, würdest Du Dich wahrscheinlich nicht so aufregen. Oder gerade deswegen?
      Wie auch immer: Dein Blutdruck, Deine Magenschleimhaut, Deine Zeit. 😉
      Also, tief durchatmen, alles halb so wild. Einen schönen Tag!

      Jeb, Danke! „Gefällt mir“.

  7. Vielen Dank für Deinen interessanten Artikel.

    Dass der Tod von Seiten der Mediziner unter allen Umständen bekämpft wird, nehme ich (Medizinstud. 5. Jahr, Famulaturen in kleinen + großen internistischen Häusern) NICHT so wahr. Im Gegenteil habe ich bisher bei verschiedenen Famulaturen (Uniklinik ebenso wie kleines evangelisches Haus) den Eindruck gewonnen, dass man sich in der Medizin durchaus der Endlichkeit des Lebens bewusst ist und „Erhaltung um jeden Preis, auch um den des Verlusts der Lebensqualität“ ablehnt, wobei deutlich ist, dass diese Entscheidung nur der Patient nach Aufklärung selbst übernehmen kann. Entsprechend gilt dies für die Aufklärung über Therapieoptionen im Krankheitsfall. Mein Eindruck ist eher, dass Aufklärung und Annahme selbiger eher von den einzelnen Personen abhängig ist, sowohl auf Seiten der Ärzte als auch auf der der Patienten (speziell letztere Seite ja auch nachvollziehbar und ein sich entwickelnder Prozess).

    Metastase = Tochter wegen der Entlehnung aus dem Latein. „filia“ = die Tochter. Nicht nur im onkologischen, sondern v.a. auch „gärtnerischen“ gelten die Absenker eines Gewächses als Töchter der Mutter.

    Über den von Dir genannten BronchialCa-Patienten hätte ich gern mehr erfahren. Weisst Du noch den histolog. Subtyp seines BronCa? Eventuelle Ätiologiefaktoren? Je nach Histologie wäre ja seine Prognose unterschiedlich. Dass keinerlei Aufklärung bzgl. Vorsorge + Vollmachten sowie keine Thromboseprophylaxe bei paraneoplastischem Geschehen erfolgte bedauere ich sehr, auch im Nachhinein.

    1. Grüß Dich Barbara! Herzlich willkommen hier und herzlichen Dank für Deinen ausführlichen und netten Kommentar. Es freut mich sehr, dass Du das so anders erlebst. Ich hoffe es ist in dem Artikel sowie in meinen Kommentaren zu anderen Kommentaren (…) klar geworden, dass es sehr wohl auch ganz andere Beispiele gibt. Vielleicht liegt es an meinem Tätigkeitsfeld (Anästhesie, Intensiv) und den Hauptabteilungen mit denen wir zusammenarbeiten (Chriurgie, Innere), dass ich es genau so erlebe.
      Dieser Blog schildert ja auch einem Tagebuch ähnlich nur meine persönlichen Erfahrungen und stellt bei weitem kein allgemeingültiges oder gar repräsentatives Meinungsbild dar!
      Danke auch für Deine Erklärung zur Tochter! Wieder eine Wissenslücke geschlossen… *klack*.
      Und zu den Spezialfragen: nein, das weiß ich nicht mehr. Es war ein Kleinzeller, soviel weiß ich noch. Ist aber doch egal, BC, T4, da wäre mir (!) die Histo auch egal.
      Ich wünsche Dir viel Freude auf Deinem weiteren Weg, guten Mut für die letzten Meter des Studiums und würde mich freuen, wenn Du hier nochmal vorbeischaust! 🙂
      Beste Grüße,
      der Narkosearzt

  8. Nachdem bei dem Mann meiner Patentante letztes Jahr Parkinson (und jetzt Demenz) festgestellt wurde, sind die beiden zum Anwalt und haben eine Patientenverfügung verfasst. Da sie wesentlich jünger ist als er und auch keine gesundheitlichen Probleme hat, liegt der Verdacht nahe, dass er vor ihr sterben wird. Sie hat keine Kinder (er schon) und so hat sie mich eingetragen als diejenige, die die Entscheidung zu treffen hat, falls sie es nicht mehr kann. Wir haben vorher darüber gesprochen und Gottseidank ist die Patientenverfügung auch so ausführlich, dass ich ganz genau weiss, was sie will und was nicht, und ich habe mch sehr über das Vertrauen gefreut – aber trotzdem graut mir vor dem Tag…. Ich hoffe, dass sie mit 90 dann einfach einschlafen darf und dass ich nicht diese Entscheidung ausführen lassen muss. ABer wenn ich es muss, dann weiss ich, dass sie es so gewollt hätte. Und das beruhigt mich sehr. Jetzt muss ich nur noch meine Eltern soweit kriegen, dass sie auch eine Patientenverfügung schreiben…

    1. Hallo Ulrike! Herzlich Willkommen hier!
      Ich staune immer wieder aufs Neue. Ich bin begeistert, wenn die Besucher dieses Blogs hier so offen ihre Erlebnisse, Meinungen und Einstellungen mitteilen. Es ist doch klasse, das ihr das geklärt habt. Eine Sorge weniger!
      Ich werde demnächst mal ein paar FAQs zum Thema Patientenverfügung veröffentlichen. Warum man z.B. keinen Anwalt für sowas benötigt. Aber ich sammel noch… 🙂

  9. da bin ich aber mal gespannt, schliesslich ist der Landkrauter anwalt, und lässt sich ungern für überflüssig erklären..(-; und meine persönlich erfahrung ist, dass viele leute damit überfordert sind. ich freue mich schon auf die Diskussion
    Gruss Landkrauter

    1. Herzlich Willkommen!
      Anwälte sind ja ganz und gar nicht überflüssig. Ich freue mich auf ihre Ergänzungen und ihr Feedback!
      Es geht mir nie um eine absolutistische Haltung und es führen viele Wege… Sie kennen das 🙂

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