Reanimation auf allen Kanälen.

Ich weiß nicht, ob das nur mein Eindruck ist, aber das Thema Reanimation (Prüfen, rufen, drücken… ihr wisst schon) läuft im Moment wie doof durch alle Kanäle. Irgendwann kam mal „jemand vom Fernsehen“ (es muss der übermotivierte Praktikant im drölften Praktikum irgendwann muss! es! doch! mal! mit einer Festanstellung klappen) auf die Idee wir gehen mit so einem Streichelbrett und mobiler Karten-Ääääpp in die Einkaufsstraße, lassen die Leute drauftippen und dann fahren wir da hin und machen einfach ganz spontan daraus ne Reportage. Super.
Der dokumentierte Offenbarungseid einer Branche die nicht weiß, wie man die 24 Stunden Programm füllen soll. Sollen die doch das Testbild zeigen. Schön bunt, piepst, fühl ich mich wie auf der Arbeit. Es gibt Leute die sammeln sowas sogar. Ich schweife ab.
Es bleibt also die Frage ungeklärt ob im Moment so viel über Reanimationsgedöhns kommt weil einer auf den Kalender geguckt und die „Woche der Wiederbelebung“ entdeckt hat oder echtes Interesse dahintersteckt. Ist mir auch eigentlich egal, ich finde es klasse und freue mich über jeden der einfach mal loslegt wenn einer umkippt, toter als tot kann ja keiner werden. Und wenn noch Leben drin ist sagt der Mensch eben „EYYY! BISSE BEKLOPPT DU #*?&$/%!!!“ „Hust hust… Danke, danke. Alles gut“ und alles gut.
Was mir hingegen oft begegnet ist der Typ Mensch, der sich sagt ooooch, da beschäftige ich mich mit wenn ich das mal brauch. Wird ja irgendjemand im Einkaufscenter sein, da ist das ja nicht so wichtig, wenn ich das nicht 100%ig drauf hab.
Falsch.
Im Rahmen der sehr sehenswerten Episode „Erste Hilfe“ von Quarks&Co. wurde in populärwissenschaftlich leichtmöglichst verdaubarer Form eine Art Diagramm veröffentlicht das zeigen sollte, wem im Falle eines Herzstillstandes die Hilfe zugute kommt.
Voilà:
48% Partner
16% Familie & Freunde
3% Kollegen
20% Unbekannte
(Trotz umfangreicher Recherche war es mir nicht möglich die Quelle dieser Zahlen herauszufinden, für Tipps bin ich dankbar. Eigene Statistiken aufgrund persönlicher, notärztlicher Erfahrung decken sich aber mit diesen Zahlen).
So. Merkste watt? Der bewusstlose Mensch der sich irgendwann einmal hilfsbereit bereit für Hilfe vor Deine Füße werfen wird ist aller Wahrscheinlichkeit nach kein Fremder. Es wird Dein Ehepartner, Dein Vater, Deine Schwester oder Dein netter Nachbar sein.
Und dann wäre es doch verdammt cool, wenn man nicht blöd daneben steht und sich selbst in stabiler Seitenlage dazulegen muss weil man keine Ahnung hat, oder?
Richtig. Deshalb empfehle ich nochmal aufs Allerwärmste kurz beim freundlichen Hilfsorganisitions-Franchisenehmer vor Ort anzufragen wann denn das nächste Erste-Hilfe-Training stattfindet. Lohnt sich.
Und all denjenigen, die sich nochmal die Erste-Hilfe-Sendung von Quarks&Co anschauen möchten sei der folgende Link empfohlen, die weiteren Teile findet ihr bestimmt selber.

Nachtrag:
Ich habe mal gestern zwei Bekannte (1xJurist, 1x Versicherung) gefragt und die haben weder von „prüfen, rufen, drücken“ noch von der Aktion was gehört. Diese Omnipräsenz scheint sich also in der Allgemeinbevölkerung nicht ganz so abzubilden.
Wie sieht es bei Euch/Eurem Bekanntenkreis aus? Ist etwas von der Aktion angekommen?

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12 Gedanken zu “Reanimation auf allen Kanälen.

  1. Das Video von Quarcks&Co. kannte ich schon, ist wirklich interessant.
    Aber bei der ganzen Befürwortung der Aktion darf man eines nicht vergessen: Auf so ’ner Puppe rumzudrücken oder schlimmstenfalls sogar noch zu beatmen ist ja „peinlich wenn alle zugucken“, „total eklig“, „uncool“ und übehaupt nur für den Führerschein erforderlich. Ach, und die Zeit ist ja sowieso nicht da. Was für Gründe, keinen Kurs zu machen… *kopfschüttel*
    Alle, die ich bisher angesprochen habe, wussten übrigens nichts von der Woche der Wiederbelebung.

  2. Hier in Heidelberg und Mannheim gab es keine Aktionen. Nix in den Zeitungen, nix an der Uni, nix von den vielen Kliniken.

      1. Heute nachmittag kam eine Meldung von einer!!! Schule in Mannheim, die ihre Schüler „trainiert“ hat. Wenigstens etwas.

  3. Aussage von Freunden: „Ja, Du postest doch ständig so Sachen auf Facebook. Aber sonst… mehr mitbekommen in der letzten Woche … äh, sollte ich?“

  4. Die alten Fernseh-Testbilder zeichneten sich ja oft nicht durch besonderen Einfallsreichtum im Design aus – gut, da sehe ich Parallelen zur Arbeit, mal von den Kinderstationen abgesehen. Aber als Testton gab es doch immer so einen furchtbaren „Dauer-Piep“ mit 0,8kHz oder 1kHz. Wie auf Arbeit? Sollte das da nicht eher „piep-piep-piep…“ mit einer Periode von so ca. 1-1,3Hz machen? 😉

  5. Ich war auf einen dieser Wiederbelebungsseminaren an einem Krankenhaus.

    Für Personen die sich bisher nie mit dem Thema beschäftigt haben war er hilfreich.
    Ich habe mich mit dem Thema zwar schon öfters auseinandergesetzt, daher war der Vortrag an sich weniger hilfreich, das üben an der Puppe war für mich jedoch trotzdem sehr interessant und lehrreich.

    Jedoch waren die Fragen die man stellen konnte und gestellt wurden sehr interessant und haben mir wiederrum ein Stückchen Angst genommen.
    Was ist wenn die Person noch atmet, aber nicht mehr normal (z.B. Schnappatmung) –> Drücken
    Auch ohne Beatmung hat die Reanimation eine Effektivität von 90 %

    Da er aber sehr kurz war (1,5 h) und mein Interesse geweckt wurde, werde ich demnächst definitv an einem 2 tägigen Erste Hilfe teilnehmen.

    1. Das ist doch richtig gut! Genau darum geht es ja. Hemmungen nehmen, mehr Aktivität fördern indem man den Leuten die Angst nimmt irgendetwas falsch zu machen. Toll, dass Du jetzt zum Beispiel sogar Deine Kenntnisse noch vertiefen willst. Das kommt bestimmt irgendwann mal jemandem zugute!
      Die Mund-zu-Mund-Beatmung wird wirklich überschätzt. Es gibt 1000 Studien und Überlegungen dazu aber das Fazit bleibt: Prüfen, Rufen, Drücken.
      So wie es aussieht, wird in Zukunft wahrscheinlich die Beatmung für die Laienreanimation ganz wegfallen.

  6. Also bei mir is das nicht angekommen. Aber ich habe auch keinen Fernseher. Ich überleg grad das mein 1. Hilfekurs so ungefähr 20 Jahre her is und ich keinen Schimmer mehr hab was zu tun wäre wenn…eieiei..

  7. Nachdem auf einer Familienfeier (ich 16 Jahre jung) 15 Leute um ein sterbendes Familienmitglied standen und der nach 10 Minuten eintreffenden NA trotz langem Einsatz (kann mich aber auch täuschen) keinen Erfolg hatte werde ich das Thema „Reanimation“, welches ich in einem zweitägigen Ersthelferkurs gelernt habe, NIE wieder vergessen…

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