Notfall? Sanitäter!

Der Krangewahrefahrer (großartiger Name im übrigen, oder?) hat in seinem Blog einen Kommentar zum kommenden „Notfallsanitäters“ geschrieben.
Die von ihm geschilderten Gedanken auch zu den Stellungnahmen meines Berufsverbands, bzw. der „Ärzteverbände“ entsprechen durchaus in großen Teilen dem, was ich in letzter Zeit im Pausenraum höre, wenn es um dieses Thema geht.

Wer noch so gar kein Bild dazu hat, möge mal bitte diese wie ich finde sehr übersichtliche Zusammenfassung zu dem komplexen Thema lesen:
http://news.doccheck.com/de/6184/notfallsanitatergesetz-irrungen-und-wirrungen/

Im folgenden möchte ich mal meine höchst subjektive Meinung darstellen. Diese Meinung entspricht nicht meinem Berufsverband und sicher auch nur einem Teil der aktiven Notärzte.

Ich habe in meiner Ausbildung die Erfahrung gemacht, dass eine gesunde Balance zwischen der Komplexität der übertragenen Aufgaben und dem eigenen Ausbildungsstand die größte Motivation schafft, sich stetig weiterzubilden und die eigenen Fähigkeiten zu verbessern.
Im Klartext: wenn mir Aufgaben übertragen werden, bin ich bestrebt dazu diese nach bester Zufriedenheit aller Beteiligten zu erledigen. Für den Patienten (der mir vertraut), für meinen Vorgesetzten (der mir das zutraut) und nicht zuletzt auch für mich selbst.

Ich habe umgekehrt die Erfahrung gemacht, dass wenn man einzelnen Personengruppen – z.B. aus Kompetenzgerangel – Aufgabenbereiche wegnimmt, die Stimmung schnell dahin kippen kann dass nur noch Dienst nach Vorschrift gemacht wird.
Ich habe während des Studiums mal auf einer Station gearbeitet, auf der die Blutentnahmen von den Pflegekräften durchgeführt wurden. Hat dem Arzt Arbeit gespart, den Krankenschwestern Spaß gemacht und alle waren glücklich. Bis ein einzelner Patient sich bei der Pflegedienstleistung beschwerte (er hätte da SOOOO einen großen blauen Fleck, das wäre ja noch nie bei einem Arzt passiert blablaschwachsinnbla) und daraufhin die längste Zeit von der Pflege Blut abgenommen wurde. Mehr Arbeit für den Arzt, weniger Zeit für andere Aufgaben, erhöhte Frustration bei den Krankenpflegenden. Das geschah dann so oder ähnlich noch bei einigen anderen Dingen und am Ende waren alle frustriert. Eine ähnliche Entwicklung sehe ich im Rettungsdienst.

Wir haben eine Bevölkerung die immer älter wird,  die Einsatzzahlen im Rettungsdienst steigen von Jahr zu Jahr und es gibt immer mehr zu tun. Auf der anderen Seite gibt es jetzt schon viel zu wenig Ärzte, ganz zu schweigen von den Notärzten und wir können dankbar sein für jeden der diesen Job freiwillig und zusätzlich zur normalen Krankenhausarbeit gegen eine meist verhältnismäßig geringe Bezahlung ableistet.

Wir können noch viel dankbarer sein für all die Mitarbeiter des Rettungsdienstes die oft für die allgemeine Bevölkerung unsichtbar Menschen aus ihrer Wohnung ins Krankenhaus transportieren. Mitarbeiter des Rettungsdienstes bringen den eingekoteten Messi ins Krankenhaus. Sie fahren die 180kg-Patientin zur Dialyse. Sie fahren tagsüber mit massiv erhöhtem Unfallrisiko unter Inkaufnahme eines Schadens für ihre eigene Gesundheit durch den Berufsverkehr. Und das in familienunfreundlichen Wechselschichten bei einer sehr überschaubaren Bezahlung.

Ich habe die Mitarbeiter des Rettungsdienstes als sehr verantwortungsbewusste, hauptberufliche Helfer kennengelernt, die den Sinn ihrer Arbeit eben darin sehen, Menschen ihre Angst, Schmerzen und medizinischen Akutprobleme zu nehmen. Es ist eine Schande, wenn wir diesen exzellent ausgebildeten Rettern die Kompetenz absprechen, lösbare Probleme zu behandeln.
Wir reden hier nicht von medizinischen Laien sondern von exzellent ausgebildeten Profis der Notfallmedizin, die – dann in einer dreijährigen Ausbildung – für alle Eventualitäten medizinischer Notfälle ausgebildet werden. Diese Mitarbeiter zu reinem Assistenzpersonal zu degradieren ist eine Frechheit.
Wann immer ich als Notarzt Aufgaben an Rettungsassistenten delegiere, werden diese mit höchster Aufmerksamkeit und Präzision erledigt. Manchmal ernte ich ungläubige Blicke, wenn ich den RA bitte z.B. den Zugang zu legen. Ein Teamleader sollte aus meiner Sicht auch in der Lage sein Aufgaben abgeben zu können.

Die Delegation von Aufgaben fängt nicht im Wohnzimmer des Patienten als Notarzt im Rettungsdienst an sondern bereits in der politischen Grundsteinlegung. Der Gesetzgeber ist gefordert den Mitarbeitern des Rettungsdienstes den Rücken zu stärken und eine Grundlage zu schaffen, den Patienten vor Ort mit der bereits vorhandenen medizinischen Kompetenz und dringend benötigten juristischen Sicherheit helfen zu können.

Und dann wird es an den Notfallsanitätern liegen, diese neu übertragene Verantwortung gewissenhaft auszufüllen. Eine schwierige Aufgabe, insbesondere da die Erwartungshaltung hoch liegt und gerade die aktuellen, sehr kritischen Stellungnahmen z.B. ärztlicher Berufsverbände darauf schließen lassen, dass man dort auf Zwischenfälle lauern wird.

Ich freue mich darauf mit motivierten Notfallsanitätern diese Aufgabe anzugehen.
Ihr schafft das! Meinen Segen habt ihr 😉

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Hals dick.

Stellt Euch folgendes vor.
Ihr arbeitet in einem Versicherungskonzern, sagen wir mal der Capitol. Ihr habt einen kleinen Schreibtisch und arbeitet an einer mehr oder weniger komplizierten Statistik. Ihr habt Euch auf Euren zwei Metern arbeitskonform eingerichtet, der Locher steht links, so wie immer.
Zur Pause geht ihr für 14 Minuten runter in die Cafete und trinkt nen Kaffee. Ein kurzer Schwatz mit dem Kollegen, danke gut, ich muss dann mal weiter machen. Ihr kommt zurück an Euren Arbeitsplatz und
– es ist alles verstellt!
Die Exceltabelle ist geschlossen, der Locher steht in Wackelpudding eingegossen rechts (auf dem Kaktus), der Stuhl – das IST überhaupt nicht mein Stuhl! Und überhaupt, warum steht der Schreibtisch jetzt an der Trennwand, der war doch gerade noch am Fenster?!?
Aha! Die Kollegin war da, ja vielen Dank auch. Einen schönen Tag noch.

So in etwas heute erlebt. Es war meine Pausenablösung. Ich habe eine Hemikolektomie betäubt, die Narkose lief seit 80 Minuten reibungslos, PDK und so. Als ich wiederkam war alles (!) verstellt. Beatmungsparameter, Perfusoren, Schlauchlagerung, Ulmer Rad abgebaut („da bleibt man eh nur dran hängen“), Monitoreinstellung („im Nachtmodus kann man das viel besser erkennen“).
Ich möchte behaupten, dass das was ich tue Sinn und Verstand hat. Mein Arbeitsplatz hat System. Das Monitoring steht so, dass ich es immer im Blick habe, auch wenn ich Medis aufziehe. Die Schläuche sind nach Priorität geordnet (Beatmung immer ganz oben…), die Perfusoren laufen so, dass 1. kein Schmerz, 2. nicht wach und 3. guter Blutdruck garantiert ist. Und nicht umgekehrt.
Wie kann man sich in einer 14-minütigen Pause erdreisten, da alles umzustellen? OK, wenn es der Chef wäre. Oder die Oberärztin. Aber das war eine Assistenzärztin im 4. Jahr. Und sie hat das nicht gemacht, weil sie nur so Narkose machen kann, sondern einfach weil sie der Meinung war, dass es „so besser“ sei. Ich würde mich niemals nie erdreisten in einer Pausenablösung an der Narkose eines Kollegen oder einer Kollegin rumzuschrauben. Es sei denn der Blutdruck ist bei 60. Oder so.
Die Narkose war aber absolut stabil. Ich hätte eine halbe Stunde in die Kantine gehen können ohne das irgendjemand bei der Patientin gesessen hätte und es wäre alles noch genauso gewesen. Aber nein, Mademoiselle stellt da erstmal den Sender neu ein.

Wo ich weg komme pflegt man in solch angespannten Situationen voll wertschätzender Sorge um den geistigen Zustand des Gegenübers zu fragen: SAMMA – HACKT’S????