A wie Atemweg – die 3 besten Tipps für eine erfolgreiche Intubation

Als ich neu war in der Anästhesie hat man mir immer gesagt ich müsse als erstes mal lernen wie man eine „gscheide“ Maskenbeatmung macht. Jaja, ich war der Kleinste, ich war der Jüngste, hör mal auf die alten Hasen, lieber mal eine gscheide Maskenbeatmung lernen.
Tatsächlich klingt das sehr einfach, ist in der Praxis aber oft schwieriger als die eigentliche Intubation.
Alte Omi ohne Zähne, Gebiss ist raus unter Reanimation? Das ist für eine Maskenbeatmung schon eher was für Fortgeschrittene. Die Laryngoskopie und Intubation dagegen – easy.
Untergroßer Bierlieferant Typ Latzhosenträger mit Bierpocke und Stiernacken? Da kann es schon schwierig werden mit der Laryngoskopie.
Die Atemwegssicherung ist ein Fass ohne Boden, darüber werden ganze Kongresse abgehalten.
Jeder hat eine Meinung dazu, es ist ein ständiges hin und her. Erst wurde der Larynxtubus jahrelang als Alternative zum Endotrachealtubus gefeiert – jetzt wird schon eher wieder davor gewarnt wegen einer möglichen venösen Abflusstörung, dem hohen Risiko tracheoösophagealer Verletzungen und so weiter.
Es gäbe vieles was man zu dem Thema Atemweg erzählen könnte – mir wäre vor allem folgendes wichtig:

1) Der Patient überlebt nicht wegen der gelungenen Intubation sondern er stirbt schon aufgrund der 100 Pitfalls auf dem Weg dahin:
Meiner Meinung nach arbeiten wir viel zu wenig mit Checklisten. Ein Notarzt der sich präklinisch für die Intubation entscheidet gibt dies einmal seinem RA und/oder dem NFS kund, dann wird einer mit den Medis beauftragt, ein anderer richtet mal den Tubus. Kurzer Blick in die Runde – alles bereit? Ja? Dann fix die Analgosedierelaxierung gespritzt und… ähm… die Absaugung! Ich brauche mal die Absaugung! Wie die ist nicht vorbereitet?? Warum flackert das Laryngoskop?? Einen Führungsstab, ich brauche einen Führungsstab!! Wieso weißt Du nicht wo der ist? Dann gib mir einen Bougie! (…) So, hör mal drauf. Dann nimm halt mein Stethoskop wenn Du keins hast! Was sagt denn das CO2? Wieso ist das ist nicht einsatzbereit??  Ich habe gefragt ob alles bereit ist und nichts ist fertig!
So oder so ähnlich habe ich es schon miterlebt. Die Definition von fertig liegt eben manchmal im Auge des Retters Betrachters.
Eine Checkliste vergisst nichts, eine Checkliste wird auch nicht müde.
Nehmt die, oder die, oder macht Euch eine eigene. Alles andere ist fahrlässig. Punkt.

2) Bedienungsanleitung des Laryngoskops – reingleiten, ziehen, hebeln, intubieren. 
Das könnte man bestimmt griffiger formulieren, aber ich habe fast ein ganzes Jahr (und 300 Intubationen?) gebraucht um zu verstehen, dass man bei einer Laryngoskopie sehr wohl hebeln darf. Während meiner Famulaturen wurde mir immer wieder eingebimst – bloß nicht hebeln!
Damit bricht man alle Zähne raus. Ja, das stimmt auch. Aber wehe es sagt jetzt einer – der Narkosearzt hat gesagt man darf mit dem Laryngoskop immer hebeln!
Darf man nicht.
Das Laryngoskop in der Hand eines ungeübten Anwenders ist ein sehr schmerzhaftes Werkzeug mit dem man viel schaden anrichten kann. Die Lizenz zum töten – wie es mal jemand auf dem SMACC 2013 genannt hat. Der Batteriegriff des Laryngoskops wirkt über den an den Zähnen anliegenden Spatel wie ein Brecheisen – und genau so bricht man Zähne auch heraus. Nämlich indem man den Spatel des Laryngoskops an die Zähne legt und hebelt.
Der Trick ist folgender. Vom Zungengrund kann man mit der Spitze des Spatels bis in die Vallecula epiglottica reingleiten. Dabei bitte nicht den Anfängerfehler machen und in die Tiefe schauen ob man da jetzt schon die Stimmritzen sieht – die sieht man sowieso noch nicht. Statt dessen immer oben auf die Zähne achten und den Kontakt zu selbigen unbedingt vermeiden!
Einmal in Position empfiehlt es sich am Batteriegriff in Richtung der linken Großzehe des Patienten zu ziehen. Hierdurch öffnet sich der Mund und der Abstand zwischen dem Spatel des Laryngoskops und den Schneidezähnen wird größer.
Jetzt (!) darf man auch hebeln, denn wenn kein Kontakt zwischen Laryngoskop und den Zähnen besteht kann auch keine Kraft auf diese einwirken. Wenn.
Die meisten machen aber den Fehler, dass sie ziehen, das Laryngoskop etwas kippen und sich dann so freuen in der Tiefe des Raumes endlich was zu sehen, dass sie oben den Blick für die Schneidezähne vergessen und dann macht es knack. Und deshalb sagt jeder – nicht hebeln, denn wer hebelt zahlt die neuen Zähne.
Manchmal geht es aber gar nicht ohne zu hebeln. Man muss eben nur darauf achten keinen Kontakt zu den Schneidezähnen zu haben. Und dann kann man meistens auch recht gut intubieren.

3. Hier könnte Dein Punkt 3 stehen!
3 Punkte klingt super, oder? Das lernt man bestimmt in jedem Anfängerkurs wie man Klicks generiert. Mich würde aber noch viel mehr interessieren, was ihr so ratsam findet, dass man es hier hin schreiben sollte!
Aus der Praxis, für die Praxis zum Thema Atemweg und Laryngoskopie.
Was ist Euch NotfallsanitäterInnen so wichtig, dass ihr es gerne jedem Notarzt mal sagen würdet?
Was möchtet ihr Nötärztinnen und Fachärztinnen für Anästhesie gerne mal jedem Praktikanten ein für alle mal gesagt haben?
Ich bin auf Eure Kommentare gespannt. Bei Gelegenheit ergänze ich dann meinen Punkt 3 den ich noch im Kopf habe – oder einen von Euren Punkten.

Und im nächsten Artikel schreibe ich mal über B wie Beatmung.
X wird spannend. Aber darum kümmern wir uns dann später. So 2020. 😉
Viele Grüße!

Der Narkosedoc

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3 Gedanken zu “A wie Atemweg – die 3 besten Tipps für eine erfolgreiche Intubation

  1. Hey, danke für den tollen Artikel, der mir aus der Seele spricht! 😉 Für mich (Assistenzarzt Anästhesie 4. Jahr) war am Anfang ein häufiges Problem bzw. Hindernis, die Zunge vernünftig mit dem Laryngoskop zur Seite zu verdrängen. Das beobachte ich auch jetzt oft bei neuen Kollegen oder PJlern.

    Viele liebe Grüße
    minimal_vlow

  2. Hach ja, die Maskenbeatmung… Als kleines Persönchen mit winzigkleinen 6er Händen war das tatsächlich schon die erste Hürde. Ich glaube aber, dass das auch ein Vorteil sein kann: Mit kleinen Händen (und weniger Kraft) braucht man einfach eine bessere Technik, als mit Riesenfingern, die man gleich zweimal um die Maske schlingen und damit auch eine „schlechtere“ Technik kompensieren kann.

    Für die Intubation ist für mich die Tischhöhe und richtige Lagerung das A und O. Der Tisch ist etwa auf Hüfthöhe. Kopf muss gut positioniert sein, gerade, nicht zu hoch, nicht zu tief. Mit der linken Hand rekliniere ich den Kopf, dann geht auch der Mund wie von allein auf.

  3. Der Aha-Moment schlechthin in meiner Anästhesiefamulatur war, als ich endlich verstanden habe, dass ich nicht nur das Laryngoskop vom Mundwinkel aus einführen soll, sondern dann auch die Zunge seitlich verdrängen. Das hat lange keiner so explizit gesagt und auf einmal ergab alles sehr viel mehr Sinn.
    Also stimme ich da minimal_vlow auf jeden Fall zu.
    Und nach der von s’gramselet angesprochenen Lagerung lernt man dann auch irgendwann in aufrechter Haltung da zu stehen, weil man sich, wenn der Winkel stimmt, nicht direkt mit den Augen am Laryngoskopgriff befinden muss (bzw. eine schlechte Einstellung macht man damit nicht wett). Da wollte ich anfangs automatisch mit meinem Kopf immer hin…

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