Verwundert. Nachdenklich. Enttäuscht.

Bildschirmfoto 2014-10-02 um 21.19.38Wir erleben großartige Momente als Ärzte. Vorgestern haben wir ein 1400g-Baby erfolgreich reanimiert, machen sehr gute Arbeit im Schockraum und können bei vielen traurigen Geschichten auch immer wieder Verläufe erleben die glücklich und zufrieden machen. Wir können auf viele Strukturen und technische Möglichkeiten stolz sein und dürfen uns daran freuen, dass bei uns in Deutschland so viele Dinge so gut funktionieren.
Es gibt die Teamplayer, die Enthusiasten, Powerärztinnen die sich ungeachtet jeder Überstunde in die Therapie einer Krankheit einarbeiten, Könner die auch noch menschlich nett sind. Aber es gibt auch immer wieder so viele Enttäuschungen bei denen man sich fragt: wird das schlimmer? Muss das sein? Wie kann man das ändern?

Muss man einen Patienten der um 8 Uhr mit dem Notarzt nach Sturz bei der Gartenarbeit mit Rippenserienfraktur und im Rö-Thorax um 8:30 Uhr diagnostiziertem Pneumothorax bis 14 Uhr liegen lassen um dann beim mittlerweile völlig entkräfteten Patienten endlich die Thoraxdrainage zu legen?

Ist es vertretbar eine einzige Nachtschwester alleine zwei Stationen versorgen zu lassen?

Notarzt: Apo… was?
Rettungsassistent: Apoplex!
Notarzt: ?
Rettungsassistent: Schlaganfall.
Notarzt: Ah! SchlagSanfall! Ja.

Warum lässt man eine patente, resolute und selbständige aber eben 87-jährige Patientin die zur elektiven Knie-TEP-Implantation kommt, sieben Stunden ohne Essen und Trinken in der Ambulanz sitzen, bis sie aufgenommen wird?

Ich sortiere das im Moment für mich.
Am Kopf kratzend,

der Narkosearzt

Mein Alltag. „Intensivstation“ der Film.

Wer schon immer mal wirklich fundiert wissen sollte, wie so die Arbeit auf einer Intensivstation aussieht, dem sei das aktuelle „kleine Fernsehspiel“ im ZDF zu empfehlen.
Ich habe mir die komplette Sendung angeschaut und kann sagen: ja, so sieht mein Alltag aus. Viele medizinische Möglichkeiten, die nicht immer alle zu jeder Zeit und bei jedem Patienten sinnvoll sind.
Der Film kommt ohne Kitsch und ohne nervige Sprecher-Kommentare aus und bleibt dabei sehr authentisch. Authentisch ist überhaupt die passendste Beschreibung für diese Doku.
Es sind immer die gleichen Fragen von Leben, Sterben, Entscheidungen, Möglichkeiten, Grenzen.

Den Film gibt es in voller Länger hier:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2038338/Intensivstation?bc=kua884716
Außerdem wird der Film wohl übermorgen (am 03. Januar 2014) um 20:15 Uhr sowie am 04. Januar 2014 auf ebenfalls auf zdf.kultur um 00:30 Uhr nochmals ausgestrahlt.
Ich wünschte es gäbe mal eine ebenso unaufgeregt sachliche, natürliche und eben authentische Reportage über die Anästhesie. Oder den Rettungsdienst.
Und weil der Film so toll ist, hat man ihm auch gleich eine eigene Homepage verpasst, auf die sei hier am Schluss auch noch hingewiesen:
http://www.intensivstation-film.com