Chirurgischer Basar

Manchmal komme ich mir vor wie auf dem Basar. Es gibt die Patienten mit den richtig großen OPs, die sich nach der chirurgischen Aufklärung (kleiner Schnitt und der Tumor ist raus…) sehr wundern, wenn wir Ihnen dann neben der Vollnarkose noch allerlei Drumherum verkaufen müssen (arterielle Blutdruckmessung, Doppellumentubus, zentraler Venenkatheter, Intensivstation etc.).
Und die mit vermeintlich überflüssigen Operationen die eigentlich gar nicht nötig sind und bei denen wir eigentlich gar keine Narkose machen wollen.
Oder die bei denen wir keine Narkose machen wollen weil wir wissen, dass das kein gutes Ende nimmt.
Da wird mit den Chirurgen verhandelt, beraten und geschachert wie beim Teppicheinkauf in Alanya.
3 aktuelle Fälle aus unserer Prämedikationsambulanz.

22 jährige Patientin, normalgewichtig, keine relevanten Vorerkrankungen. Seit etwa einem halben Jahr „Probleme mit der Bandscheibe“. Arbeitet als Lageristin bei einem großen Versanddienstleister, habe dort viel und schwer heben müssen. Allenfalls diskrete Ausstrahlungssymptomatik, keine (!) Zeichen eines Querschnittssyndroms. Stellt sich bei uns vor weil für den Folgetag eine OP zur Entlastung der Bandscheibe geplant ist.
Ich biete ihr an sich hinzustellen oder hinzulegen, echte Rückenschmerzpatienten sitzen ungerne.
Sie lehnt ab, das ginge schon, so schlimm sei es nicht. Ich frage wo sie sich schmerzmäßig auf dem Schmerzscore von 0 bis 10  (0 = friedliche Blumenwiese, 10 = infernalischer Höllenschmerz) befindet. Es sei eine 4 bis 5, aber auf Dauer sei das ja auch nicht schön.
Ich frage was mit einer Ausweitung der Schmerztherapie ist?
Nein, sie sei nicht so für harte Schmerzmittel.
Und Krankengymnastik? Aufbau der Rückenhilfsmuskulatur?
Ja, man habe ihr da so Übungen gezeigt. Die hätte sie machen sollen, aber es war bei ihr wie bei fast allen – keine Zeit, keine Lust, dafür aber 100 Ausreden.
Ich frage Sie was sie sich von der Operation (!) am Rücken erwarte. Sie reagiert verduzt, als ich ihr sage, dass eine solche Operation fast immer nur zu einer Linderung der Beschwerden und so gut wie nie zu einer Heilung führe. Dort wo das Messer Gewebe wegschneidet entsteht Narbengewebe, dies kann sich verziehen und zu größeren Schmerzen als vorher führen. Sie schaut verwundert, das habe ihr nämlich noch keiner erzählt.
Sie wäre nicht die erste Patientin die nach ein paar Jahren und etlichen Operationen in der Schmerztherapie landet und bereut der allerersten von etlichen Operation zugestimmt zu haben.

Ein Patient, 82 Jahre alt, großer und weit fortgeschrittener Bauchspeicheldrüsenkrebs. Der Patient geht nach der „Aufklärung“ durch den Chirurgen für die OP nach Whipple davon aus, dass man den Kräbbs rausschneiden könne und er danach geheilt sei. Ich verweise darauf, dass diese Operation bei Patienten mit seinem Vorerkrankungsprofil an meiner alten Klinik nicht durchgeführt würde, da die Wahrscheinlichkeit an der OP und ihren Folgen zu sterben höher ist als der mögliche Gewinn durch eine etwaige Lebensverlängerung von ein paar Monaten.

Noch ein Patient, 135kg, Tennisspieler und Raucher mit einer fortgeschrittenen Lungengerüsterkrankung (COPD) und Schlaf-Apnoe-Syndrom der sich wegen eines Schulter-Arm-Syndroms zur geplanten subakromialen Dekompression vorstellt. Der Sinn und Nutzen dieser OP an sich ist höchst umstritten, das Risiko für Komplikationen im Rahmen der Vollnarkose für den Patienten ist erheblich. Wir besprechen die Möglichkeiten mit dem Patienten (Regionalanästhesie mit Risiko der Phrenicusparese, zeitweise Beatmungspflichtigkeit, intensivstationäre Aufnahme etc.).
Der Chirurg wird unter Hinweis auf das erhebliche Narkoserisiko (bei fraglichem Nutzen…) darum gebeten die Dringlichkeit und Notwendigkeit des Eingriffs zu begründen. Da dies ausbleibt entfällt die OP, der Patient wird nicht operiert.

Was habe ich als Anästhesist eigentlich für Möglichkeiten wenn ich Bedenken bezüglich einer OP habe?
Das Tätigkeitsfeld des Anästhesisten in der Prämedikation ist politisch und medikolegal hochkomplex und voller Tretminen. Trotzdem gibt es da Möglichkeiten.

Problem 1: Es ist nicht so wie es scheint.
Die OP, die sich aus meiner Sicht vielleicht als unnötig darstellt, ist für den Patienten aus anderen Gründen vielleicht sehr wohl notwendig. Es gibt viele Gründe für eine OP die über eine akute Lebensbedrohung hinaus gehen. Erhalt der Lebensqualität, Erhalt der Selbständigkeit, der Möglichkeit zum Erhalt der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit.
Nicht immer können Patienten uns das so differenziert mitteilen.
Praxistipp: Ich nehme mir zwei Unterlagen vom Patienten mit, verweise darauf, dass ich diese kurz kopieren möchte. Dann gehe ich raus, rufe den Chirurgen an der diesen Patienten operieren möchte und hake mal kurz nach. Einem kurzen Gespräch folgt meist Klarheit.
Warum tue ich so als wenn ich etwas kopieren würde und sage es dem Patienten nicht direkt? Weil ich glaube, dass ein Patient ein Recht auf das Gefühl größtmöglicher Sicherheit hat. Es verunsichert den Patienten unnötig wenn wir aufgrund innerklinischer Kommunikationsprobleme uns telefonisch abstimmen müssen.

Problem 2: Kompetenzgerangel
Der erfahrene (leitende?) Oberarzt oder vielleicht sogar der Chefarzt persönlich stellt die Indikation zur OP. In der Prämedikationsambulanz sitzt der jüngste Assistenzarzt, frisch approbiert, vor einem Jahr noch an der Uni.
Auch über Abteilungen hinweg kann ein solch erheblicher Unterschied in der Hierarchie erhebliche Auswirkungen auf Entscheidungsprozesse haben.
In diesem Fall würde ich bei begründeten Zweifeln „mal eben zum kopieren“ rausgehen (…) und mit dem eigenen Oberarzt / Oberärztin Rücksprache halten.

Problem 3: Fälle machen
Ein OP verdient nur Geld, wenn er operiert. Je nach OP sind das zwischen 11 und 25€ pro Minute. Und wer einen Hammer hat sieht überall Nägel.
Wir operieren seit Jahren wahrscheinlich zu viel und zu oft, vielleicht ist aber auch der Bedarf gestiegen. Meiner persönlichen Einschätzung nach gibt es schon hin und wieder Operationen bei denen man mal nachdenklich wird. Das sind aber gefühlt keine 5-10 % der Gesamt-OPs.
Ob der Blinddarm wirklich nachts um 3 raus muss oder ob er nur zu dieser finsteren Zeit heraus muss, damit am Tag keine geplante Operation verschoben oder gar gestrichen werden muss – das sei mal dahingestellt.
Grundsätzlich glaube ich ist der Anteil der vermeidbaren Operationen aber wesentlich geringer als es in der Öffentlichkeit gerne effektheischend dargestellt wird. Das ist zumindest mein persönlicher Eindruck – in unserer Klinik.
Klar ist aber auch – eine einzige, überflüssige Operation ist bereits eine zu viel!

Wie ist das an Eurer Klinik? Gibt es die Möglichkeit Bedenken bezüglich einer OP zu äußern?
Hat das Konsequenzen oder wird das ignoriert?

Advertisements

#metoo

Die Antwort lautet – nein.
Nein, weil ich mich nicht erinnern kann jemals sexuell belästigt worden zu sein. Nein auch weil ich mich nicht erinnern kann jemals eine Frau sexuell belästigt zu haben oder sexistische Dinge gesagt zu haben.
Thematisch wäre der Blogeintrag damit an dieser Stelle eigentlich auch schon wieder beendet. Warum muss sich überhaupt ein Anästhesist zu dieser Sexismusdebatte äußern?
Erstens ist es fast das „Wort des Jahres“ geworden und es ist die wahrscheinlich größte Bewegung 2017 gewesen. Zweitens ist es eins der vielen Themen über die wir während unspannender Operationen gesprochen haben. Drittens ist es Teil meiner Vorsätze für das neue Jahr und viertens schreibe ich darüber weil es ganz einfach wichtig ist und weil zu meinem Nein auch ein Ja gehört.
Ja, auch ich habe zum Teil sehr fiese Erfahrungen im beruflichen Alltag mit (Alltags-)Sexismus gemacht. Ich sage es mal ganz ehrlich – ich schäme mich für so manchen der sich mit mir in der Herrenumkleide umzieht.
Es ist eine Schande wie schamlos manche Männer über Frauen im allgemeinen, Kolleginnen und (Ex-)Partnerinnen herziehen, wenn sie das Gefühl haben man sei „unter sich“.
Gerade in der Chirurgie wird Sexismus sehr offen praktiziert, gerne auch von Angesicht zu Angesicht, in aller Öffentlichkeit, vor Zeugen, auf Station und im OP. Gefühlt – und in meiner kleinen persönlichen Welt – ist es in der Orthopädie und Urologie am derbsten, bei den Allgemeinchirurgen ist es tagesformabhängig, bei den Gynäkologen selten und bei unseren  Kinderchirurgen zum Beispiel habe ich Sexismus noch nie erlebt. Besonders krass wird es meistens wenn zwei Männer operieren und ein Mann pflegerisch assistiert, da werden sprachlich die Hosen gerne mal komplett heruntergelassen.
Wenn dann doch mal jemand kommt und ein solches Verhalten rügt wird erstaunlich oft von den weiblichen und auch meist etwas älteren OP-Pflegekräften der eine oder andere Spruch  bagatellisiert. Man spricht dann von Altherren-Garde. Der sei halt so, der war schon immer so.
Das macht es nicht besser.
Und diese Männer sind weder Herren noch Mitglieder eines Ehrenwachdienst („Garde“) sondern wenn überhaupt allerhöchstens alt.

Viele meiner Gedanken dazu und warum ich nicht länger bereit bin dies zu akzeptieren stehen hier. Den Ausführungen dazu und den empfohlenen Links und Podcasts kann ich mich gut anschließen.

Eine Kollegin von mir ist als Chirurgin taktisch in ihren Entscheidungen brilliant. Sie ist technisch geschickt, hat eine sehr ruhige Hand und Schnittführung. Sie ist intelligent und wortgewandt, dabei eher leise und angenehm zurückhaltend. Sie hat viel Hintergrundwissen vor allem zur Intensivmedizin und geht damit nicht hausieren sondern stellt dieses Wissen in den Dienst ihrer Patienten. Und – sie sieht gut aus. Und eben diese Kollegin hat vor drei Monaten unser Haus verlassen und was sagt mein Kollege als Sie sich verabschiedet? Unter uns und im Spind?
Ich vermisse den Anblick ihres Dekolletés… (im Original etwas vulgärer, aber das kann sich jeder selbst denken).
Mich ekelt das an. Mir tut das leid für diese Kollegin, ich schätze sie und ihre Arbeit und tatsächlich vermisse ich ihre Unterstützung. Es war eine Wohltat mit ihr zu arbeiten, sie hat verletzte Kinder empathisch und konsequent behandelt und hat deliranten Omas in die Spur geholfen. Diese Ärztin war nah dran an perfekt und alles was ihm dazu einfällt ist so ein bräsiger Spruch.
Fragt mal Eure Schwester oder eine Frau Eures Vertrauens ob und wie oft sie schon mit Blicken ausgezogen wurde. Ich kenne Frauen die sich nach einer unsittlichen Berührung eines ekeligen Mannes zwei Stunden lang geduscht haben um das Gefühl wieder los zu werden. Eines Mannes in einer hochrangigen Position, in diesem Fall der Oberarzt eines Instituts der Uniklinik.
Er war der Meinung er dürfe das in seiner Position, was soll schon so eine kleine Studentin ausrichten können.
Zu viele alte Säcke Männer fühlen sich in ihrer Position sicher genug um hinter vorgehaltener Hand oder auch ganz offen Sexismus zu leben. Sie verletzen, demütigen und erniedrigen, sie versuchen den Selbstwert anderer Menschen, ihre Würde und den Stolz in beschämender Art und Weise anzugreifen.
Ich wünsche allen Chirurginnen, Schwestern, Pflegerinnen, Notärztinnen, Internistinnen, Raumpflegerinnen, Bürokräften und Mitarbeiterinnen im Krankenhaus und anderswo – seid stark. Benennt Zeugen, sprecht diese konkret an, schreibt ein Gedächtnisprotokoll.
Wie das genau geht und was man dann als nächstes machen kann steht hier.

Und was können wir Männer tun?
Den Mund aufmachen, Männer ansprechen. Falls man selber Sexismus erlebt ist es auch durchaus legitim sich proaktiv als Zeuge anzubieten.
Eine Kollegin von mir wurde im Rahmen der Visite sehr unsittlich berührt, einen blöden Spruch gab es gratis dazu. Ich habe mich als Zeuge angeboten, letztlich hatte Sie nicht den Mut das anzuzeigen.

In Beverly Hills hatte eine Krankenschwester den Mut einen Vorfall anzuzeigen in dem sie von einem Chirurgen attackiert wird. Ich will jetzt nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, es geht hier nicht um sexuelle Belästigung sondern um die Ausübung von Gewalt eines vermeintlich Starken gegenüber Schwächeren. So gesehen gibt es Parallelen, denn auch Sexismus setzt immer ein hierarchisches Gefälle voraus oder wird sogar eingesetzt um ein solches zu manifestieren.
Der Fall ist deswegen so brisant weil es eine Videoaufzeichnung des Vorfalls gibt. Erschreckend ist, wie gleichgültig die Mitarbeiter vorbeigehen, die den Vorfall mitbekommen haben müssen.
Konsequenz des Vorfalls in dem die Krankenschwester (austauschbar) von dem Starchirurgen der Augenklinik (ein sgn. „celebrity physician“ der im wesentlichen für die Erlöse des Krankenhauses verantwortlich ist) attackiert wurde – die Krankenschwester ist letztlich gegangen (worden).
In diesem Fall reden wir von einem Vorgang der – zumindest in Teilen – auf Video aufgezeichnet ist. Und natürlich ist es kompliziert und vielleicht war es alles ganz anders aber hey – ich glaube wir alle wissen wie es gelaufen ist. Und wenn auch nicht in diesem einen konkreten Fall, dann aber doch in ganz vielen Fällen die jeder von uns so oder ähnlich schon erlebt hat.

Meistens gibt es ja nur Aussage gegen Aussage und das ist schon kompliziert genug. Es gibt natürlich auch Fälle wie den von Horst Arnold der wegen einer Vergewaltigung zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde die er nachweislich nie begangen hat.
Darum geht es mir hier aber nicht. Es geht mir um Sexismus im Alltag, um die sogenannten Kavaliersdelikte. Um Altherrenwitze auf Kosten meist junger Mitarbeiterinnen.
Um billige Anmachsprüche die hinten herum noch ganz entrüstet als war doch nur ein Kompliment getarnt werden.

Also Männer – macht den Mund auf. Im OP, im Rettungsdienst, bei der Feuerwehr, auf Station im Krankenhaus, in der Personalabteilung, im Eiscafé, bei der Müllabfuhr und im Drogeriemarkt. Es liegt an Euch zu zeigen, dass nicht alle Männer so sind.

Disclaimer light:
Das Thema ist kompliziert und bietet Potenzial zur Hysterie, das ist mir wohl bewusst. Eine gute und unaufgeregte Annäherung bietet wie ich finde die ARD mit diesem Themenkomplex unter
http://www.ardmediathek.de/tv/Sexismus-im-Alltag/Thema?documentId=47428042
Es ist wie immer meine persönliche Meinung und repräsentiert nicht mein Krankenhaus oder meinen Berufsstand.

10 Dinge die sie tun sollten, bevor sie operiert werden

OK, ich gebe zu, der Titel ist etwas reißerisch. Und eigentlich geht es auch nur um Kunden die elektiv, also geplant ins Krankenhaus aufgenommen werden.
Elektive OPs machen bei uns ca. 80% des OP-Programms aus. Leistenhernien, Gallenblasenentfernung, Fußumstellung, Hüft/Schulter/Knie-Prothesen und dergleichen mehr. Alles das sind planbare, nicht notfallmäßige Operationen.

  1. Duschen Sie sich. Gründlich. Mehrmals.
    Die sie behandelnden Ärzte arbeiten mit ihnen und ihrem Körper. Während Sie bei der OP schlafen müssen wir uns um ihren Körper kümmern. Glauben Sie es mir – nicht nur der Chirurg ist deutlich besser gelaunt wenn es nicht schon beim Abwaschen nach drei Wochen altem Schweiß stinkt!
    Wir erwarten von ihnen, dass Sie uns den gleichen Respekt entgegenbringen, den Sie auch von uns fordern.
    Davon ab werden Sie nach der Operation sicherlich die ersten ein oder zwei Tage nicht in die Dusche kommen – da lohnt es sich wenn man von bestehenden Hygienereserven zehren kann!
  2. Waschen Sie den Bauchnabel, die Füße, die Leiste und die Achselhöhle nochmal extra. 
    In der genannten Reihenfolge finden Sie die fürchterlichsten und abscheulichsten Hygieneprobleme. Was wir schon aus Bauchnäbeln herausfischen mussten entbehrt jeder Schilderung! Mehrere Blitzdings-Sitzungen waren nötig um diese Impressionen auszulöschen…
    Sie haben ein Interesse daran die Operation ohne eine Infektion zu überstehen. Die sicherste und beste Grundlage für einen problemlosen Heilungsverlauf.
    Sie wollen nicht die Patientin sein „die zwei Mal nach Hause geschickt wurde„…
  3. Nehmen Sie ein günstiges Uralt-Handy mit.
    Smartphones stellen nicht nur einen relevanten Gegenwert dar sondern bieten neben dem finanziellen auch oft einen erheblichen Verlust privater Daten. Eine Zeit lang wurden gerade auf unserer Privatstation bevorzugt Smartphones und auch Notebooks von Patienten gestohlen. Hier kann z.B. ein einfaches Schloss für eine Hand voll Euro helfen! Den Schlüssel dafür können Sie überall hin mitnehmen (oder z.B. mit Karabiner an der Hose befestigen).
    (http://www.ebay.de/bhp/laptop-schloss)
  4.  Lassen Sie Schmuck zuhause. 
    Eheringe, Klunker, Ohrringe und das ganze Geklimper – es kann nur geklaut werden. Es interessiert uns auch wirklich nicht, was Sie alles an Geschmeide besitzen. Ringe kann man übrigens mit Seife hervorragend abbekommen. Wenn alles nichts hilft, gibt es noch die „Fadenmethode“ – irgendwann bekommt man JEDEN Ring ab. (https://www.youtube.com/watch?v=9DkyioPrWNM)
  5. Notieren Sie sich ihre Fragen schriftlich. Vorher. 
    Gesprächszeit mit Ärzten ist kostbar, sie sollten Sie sinnvoll nutzen, wir tun es auch. Ein normaler Krankenhausarzt (Internist, Chirurg, Anästhesist) muss noch tausend andere Dinge mehr  am Tag tun weshalb die eigentliche Zeit pro Patient auf ein Minimum schrumpft. Ist so, würden wir auch gerne ändern, Hermann Gröhe eher nicht. Wenn Sie Fragen haben, notieren Sie diese auf einen Zettel und gehen Sie diese Fragen ganz konkret mit ihrem Arzt durch. Im Gespräch selber werden Sie sich sonst nicht an die Fragen erinnern und ärgern sich dann hinterher wenn Sie doch verpasst haben zu Fragen wann die Fäden denn entfernt werden müssen (in der Regel nach 10 Tagen…).
  6. Lassen Sie (wenn möglich) die Zähne im Zimmer. 
    OK, die Zähne die fest sind dürfen drin bleiben. Da erwarte ich jetzt auch keinen Aktionismus mit der Extraktionszange. Aber glauben Sie mir – mein Standardklientel hat keine Zähne mehr. Manchmal bin ich regelrecht irritiert wenn mich eine Raab-eske Kauleiste begrüßt. Es ist für mich wirklich und ehrlich völlig normal à la Inge Maisel begrüßt zu werden. Das nehme ich meist gar nicht mehr wahr. Ja, für Sie ist es tooootaaaal peinlich, sie werden sich die Hand vor den Mund halten und können sich kaum vorstellen, dass mir die fehlenden Zähne egal sind. Sie sind es. Sowas von.
  7. Verärgern Sie ihren Anästhesisten nicht durch die Präsentation ihrer neuen Vollprothese! 
    Immer wieder schaffen es Patienten irgendwelche Pflegekräfte zu überzeugen, dass Sie bei Prof. Hoppenstedt aber MIT! Zähnen in den OP durften. Ja, da musste man die Vollprothese nicht herausnehmen.
    Das Problem ist, dass die Zähne (sofern mit geringem Aufwand herausnehmbar, nicht irgendwelche Implantate) einer Vollprothese für die Narkose herausgenommen werden müssen. Es könnte sonst bei Einleitung der Narkose passieren, dass die Prothese oder Teile der Prothese hinten in den Hals fallen, den Atemweg verlegen und massive Probleme verursachen können. Alles schon passiert. Wenn ich aber die Zähne rausnehme bin ich als Anästhesist dafür verantwortlich. Und zwar ohne Versicherung. Keine Versicherung übernimmt den Schaden an einer Prothese wenn Sie durch unachtsame Handhabung des Anästhesisten verursacht wurde. Auch alles schon gehabt.
    Sie wollen einen gut gelaunten Anästhesisten – begrüßen Sie uns mit einem strahlenden, zahnlosen Lächeln!
  8. Machen Sie einen kurzen Zettel fertig mit den wichtigsten, medizinischen Informationen.
    Größe, Gewicht, Allergien, Vor-Operationen, eine Liste aktueller Diagnosen (Bluthochdruck, Diabetes…), aktuelle Medikamente sowie ggf. andere medizinische Besonderheiten (hatte schon mal diesen „Krankenhauskeim“) und das ganze noch in leserlich. Gerne auch mit Schreibmaschine! Glauben Sie es mir – Sie werden viele, viele Menschen glücklich machen. Mit einem Zettel, den Sie in fünf Minuten geschrieben haben. Ich sage jetzt schon mal – Danke!
  9. Packen Sie ein paar gut sitzende Ohrenstöpsel und eine Schlafmaske ein.
    Nicht nur auf der Intensivstation sondern auch auf der Normalstation pladdert die ganze Nacht eine Kakophonie aus Perfusoralarmen, Schmerzpumpengepiepse, automatisch öffnenden und RUMMS-zufallenden Türen vor sich hin. Sie brauchen den Schlaf – machen Sie es sich so bequem wie möglich. Ruhe und Dunkelheit sind schon mal eine gute Grundlage.
  10. Waschen Sie sich. Am Vorabend. Morgens vor der OP. Gründlich.
    Auch die Achseln, den Bauchnabel, die Füße und… ach ich sagte das bereits? OK, aber „10 Dinge“ klingt ja auch einfach besser als „9 Dinge…“

Der Beichtvater

Ich trage keine Talar aber bei mir beichten Menschen ihre Sünden. Bei mir wird kein Eid geschworen und ich erfahre trotzdme die ganze Wahrheit.

Wenn es hart auf hart kommt, wird der Mensch plötzlich ehrlich. Immer dann wenn es ans Eingemachte geht. Und Narkose ist für den Großteil der Bevölkerung etwas ganz und gar Eingemachtes.
Bei manchen Menschen macht es schon in der Prämedikationsambulanz beim Vorgespräch mit dem Anästhesisten „klick!“. Da wird der Schalter auf den Ehrlichkeitsmodus umgelegt.
Der ein oder andere benötigt erst die Unterstützung des hellen OP-Lichts in dessen Angesicht dann kurz vor dem Einschlafen doch nochmal die ganz dunklen Flecken beleuchtet werden. Und dann kommen Sätze die mit „Ich weiß nicht, ob sie das wissen müssen, aber…“ anfangen.
Es geht um für den Anästhesisten so relevante Angaben wie das Gewicht. Drogeneskapaden. Übergewicht. Suff. Überübergewicht. Alkoholexzesse.
Ich besitze keinen Beichtstuhl und verweise auch nicht auf den Rosenkranz aber bei mir werden gesetzte Damen ganze ehrlich wenn es um ihr Hüftgold geht. Der 13-jährige Teenie erzählt von seinem ersten Joint.
Aus den „10 Zigaretten am Tag“ werden dann „wenn ich Stress hab‘ so 20-30 und ab und im Betrieb geht auch mal ne Line weg“.
Aus einer Flasche Bier werden drei, aus den 95kg werden 115kg.

Eine mir gut bekannte Kollegin fragte die ihr anvertrauten Patienten kurz vor dem Einschlafen gerne folgendes: „Jetzt müssen wir dem Sandmännchen nur noch sagen wie viel Sand wir zum Einschlafen benötigen. Die 120kg sind richtig, ja?“
Von ihr habe ich auch gelernt, dass man bei der Gewichtsangabe „140kg“ sehr vorsichtig sein müsse, da die meisten Waagen bei 140kg aufhören und das dann auch oft der letzte
Nun gut, Narkose macht man sowieso immer noch nach Wirkung und nicht (nur) nach Gewicht.
Und dann war da noch der Kandidat zur Abszessausräumung. Drogenabusus seit Jahren.
„Gibt es außer dem Drogenkonsum noch etwas was wir wissen sollten?“
„Nö.“
Von der floriden Hepatitis C und der AIDS-Positivität haben wir von der Kollegin erfahren, die unseren Kandidaten zufälligerweise von einem vorherigen Intensivaufenthalt kannte. Vielen Dank auch. Scheint nicht bei allen zu funktionieren mit dem Beichtstuhl…

Hals dick.

Stellt Euch folgendes vor.
Ihr arbeitet in einem Versicherungskonzern, sagen wir mal der Capitol. Ihr habt einen kleinen Schreibtisch und arbeitet an einer mehr oder weniger komplizierten Statistik. Ihr habt Euch auf Euren zwei Metern arbeitskonform eingerichtet, der Locher steht links, so wie immer.
Zur Pause geht ihr für 14 Minuten runter in die Cafete und trinkt nen Kaffee. Ein kurzer Schwatz mit dem Kollegen, danke gut, ich muss dann mal weiter machen. Ihr kommt zurück an Euren Arbeitsplatz und
– es ist alles verstellt!
Die Exceltabelle ist geschlossen, der Locher steht in Wackelpudding eingegossen rechts (auf dem Kaktus), der Stuhl – das IST überhaupt nicht mein Stuhl! Und überhaupt, warum steht der Schreibtisch jetzt an der Trennwand, der war doch gerade noch am Fenster?!?
Aha! Die Kollegin war da, ja vielen Dank auch. Einen schönen Tag noch.

So in etwas heute erlebt. Es war meine Pausenablösung. Ich habe eine Hemikolektomie betäubt, die Narkose lief seit 80 Minuten reibungslos, PDK und so. Als ich wiederkam war alles (!) verstellt. Beatmungsparameter, Perfusoren, Schlauchlagerung, Ulmer Rad abgebaut („da bleibt man eh nur dran hängen“), Monitoreinstellung („im Nachtmodus kann man das viel besser erkennen“).
Ich möchte behaupten, dass das was ich tue Sinn und Verstand hat. Mein Arbeitsplatz hat System. Das Monitoring steht so, dass ich es immer im Blick habe, auch wenn ich Medis aufziehe. Die Schläuche sind nach Priorität geordnet (Beatmung immer ganz oben…), die Perfusoren laufen so, dass 1. kein Schmerz, 2. nicht wach und 3. guter Blutdruck garantiert ist. Und nicht umgekehrt.
Wie kann man sich in einer 14-minütigen Pause erdreisten, da alles umzustellen? OK, wenn es der Chef wäre. Oder die Oberärztin. Aber das war eine Assistenzärztin im 4. Jahr. Und sie hat das nicht gemacht, weil sie nur so Narkose machen kann, sondern einfach weil sie der Meinung war, dass es „so besser“ sei. Ich würde mich niemals nie erdreisten in einer Pausenablösung an der Narkose eines Kollegen oder einer Kollegin rumzuschrauben. Es sei denn der Blutdruck ist bei 60. Oder so.
Die Narkose war aber absolut stabil. Ich hätte eine halbe Stunde in die Kantine gehen können ohne das irgendjemand bei der Patientin gesessen hätte und es wäre alles noch genauso gewesen. Aber nein, Mademoiselle stellt da erstmal den Sender neu ein.

Wo ich weg komme pflegt man in solch angespannten Situationen voll wertschätzender Sorge um den geistigen Zustand des Gegenübers zu fragen: SAMMA – HACKT’S????