Wusstet ihr schon, dass…

Notarzt Parkplatz… man als Notarzt etwa 30€ pro Stunde verdient? Das ist eine Art Flatrate. Egal wie viele Einsätze – Du bekommst 30€. Brutto.
Davon gehen dann noch die Steuern ab, sowie Kosten für die nicht unerhebliche Haftpflichtversicherung (die immer seltener vom Reiseveranstalter Träger des  Rettungsdienstes gestellt wird) und so Kleinigkeiten wie Bekleidung, Reinigung, Buchhaltungskosten etc.
Dies kann man hinterher zwar wieder von den Steuern absetzen, im Schnitte bleiben aber so etwa 15€ pro Stunde auf dem Konto.
Ist das OK? Ist unserer Gesellschaft diese Leistung nur so wenig wert?
Oder ist das Notarztsystem sowieso ein Produkt überflüssiger Luxusmedizin und ist es nicht vielleicht längst überholt dass der Arzt zum Patienten kommt? Die paar Minuten kann er doch auch schnell in die Klinik gefahren werden, oder?
Und außerdem sind da teilweise ja auch echt nur so Hilfsärzte unterwegs für die noch 5€ die Stunde zu viel wären, was die können, kann ich Notfallsani / Rettungsassistent / Ersthelfer doch schon lange alleine…

Nur mal so zum nachdenken:

– wir fahren unter Einsatz unseres eigenen Lebens mit einem bis zu 25-fach erhöhtem Unfallrisiko (nachts und mit Sondersignal) zum Patienten
– wir suchen den Patienten unter Tage, in verschwefelten Recyclingwerken, auf der Autobahn oder im Gleisbett liegend auf
– Eigensicherung hin, kluge Ratschläge her – es verbleibt fast immer ein erhebliches Restrisiko für die Retter
– wir machen eine körperliche Untersuchung, erstellen eine oft umfangreiche Anamnese bei einem uns bisher komplett fremden Patienten, beklopfen, behören, riechen, fühlen, schmecken und kombinieren all diese Eindrücke zu einer Verdachtsdiagnose
– wir setzen dafür das Know-how ein, was wir in 6 Jahren Studium, mindestens zweijähriger klinischer Tätigkeit (plus praktisches Jahr!), Seminaren, Workshops, Fortbildungen und endlosen Stunden über Büchern gesammelt haben
– wir legen bei schlechten Lichtverhältnissen, bei Patienten mit „Rollvenen“ und Cortisonhaut, unter laufender Reanimation und gerne auch mal hinter der Couch einen Venenzugang
– wir geben hochwirksame Medikamente deren einfache Unterdosierung oder Überdosierung gravierende Konsequenzen haben kann
– wir übernehmen juristische Verantwortung für die Konsequenzen möglicher Fehlbehandlungen
– wir fahren immer raus – nachts um 3 wenn alle schlafen, morgens um halb 7 wenn andere sich nochmal rumdrehen und abends um 23:30 Uhr wenn die letzten Lichter ausgehen
– wir sind dabei stets meistens freundlich, verständnisvoll und hilfsbereit egal wie sinnlos der Einsatz uns erscheint
– wir verbringen all diese Stunden im NEF und verpassen dabei Grillpartys, Geburtstagsfeiern, gemütliche Weihnachtsessen, Weltmeisterschaften und Konzerte
– wir reanimieren, intubieren, infundieren, injizieren, thorakotomieren und narkotisieren
– wir vermitteln, beraten, moderieren, besänftigen, deeskalieren und entscheiden

Für 30€ pro Stunde. Bodengebunden (NEF, NAW und ITW) genauso wie luftgebunden im RTH.
Für mich ist das absolut OK, auch wenn es sich vielleicht anders liest – ich jammer nicht herum. Ich übe den Beruf des Notarztes sehr gerne aus und tue das tatsächlich aus Berufung.
Ich komme an Orte an die ein Normalbürger nie hinkommt, ich sehe tägliche lustige, traurige und interessante Dinge. Vieles davon ist auch furchtbar belanglos, vieles davon ist sehr wertvoll für mich weil ich Dinge tun erlebe die den meisten Menschen ein Leben lang vorenthalten bleiben werden.
Es ist ein unfassbares Privileg diesen Beruf ausüben zu dürfen und ich mache das nicht wegen des Geldes.
Würde ich den Fokus aufs Geld legen ist es wesentlich lukrativer als Honorararzt im Bereitschaftsdienst IM Krankenhaus zu arbeiten. Dafür bekommt man (im Honorardienst als Facharzt, nicht als festangestellter Arzt) etwa 60-80€ pro Stunde und dafür ist es warm, trocken und relativ ungefährlich.

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Sag mal Narkosearzt, was verdient eigentlich so ein Notarzt?

Um es vorneweg zu nehmen: meiner Meinung nach gibt es keine Berufsgruppe in der die Differenz zwischen eigenem Verdienst (ganz weit oben!) und der beklagenswerten Rumjammerei über die ach so schlechte Bezahlung („ganz weit unten!“) so weit auseinander driftet.
Ich glaube, dass man als Arzt wirklich gut verdient und auch wenn man mit dem langen Studium ( zahlt der Staat, kostet ca. 200 000€ ), dem Verdienst in anderen Ländern oder den Arbeitsbedingungen argumentiert: es bleibt ein sehr gut dotierter und vor allem sehr sicherer Arbeitsplatz. Ist das nicht auch jede Menge wert?
Egal, ich schweife ab.
Bei uns ist der Notarztdienst normale Einsatzzeit, wenn ich über Nacht arbeite bekomme ich am nächsten Tag einen Freizeitausgleich. Das Grundgehalt richtet sich nach dem Alter des Arztes und der Erfahrungsstufe (Assistenzarzt, Facharzt, Oberarzt oder Chefarzt). Die Tarife können z.B. hier (Anhang A zur Anlage 30 s. NRW) nachgelesen werden.
Zusätzlich bekommen wir ab 16 Uhr 25€ für einen Einsatz.
Also Grundgehalt plus Einsatzpauschale. Das kann man so gesehen nur sehr schlecht auf den einzelnen Einsatz umlegen.
Klarer wird es da schon bei „reinen“ Notarztverträgen. Im Rahmen von Honorartätigkeiten kann man als Arzt unabhängig von der eigenen Klinik bzw. sogar gänzlich ohne Festanstellung über die Lande tingeln und freie Notarztdienste besetzen. Die werden über Vermittlungsagenturen (z.B. Notarzt-Börse, „Rent a doc“ und andere) vergeben. Die Honorare richten sich ein wenig nach den Einsatzgebieten.
In einem sehr ruhigen Einsatzgebiet (ca. 5-10 Einsätze / 24h) werden im Schnitt so 25-30€ pro Stunde gezahlt. Da ist es egal wie oft man rausfährt.
In manchen Großstädten in NRW bekommt man auch mal mehr, bis zu 40€ pro Stunde. Das sind dann aber auch schon gerne mal irgendwelche Brückentage oder Feiertage. Alternativ gibt es manchmal auch 25€ pro Stunde + 25€ pro Einsatz. Klingt gut, ist im Regelfall aber weniger als 35€/h weil es dann meistens wenige Einsätze gibt.
Realistisch sind es also so 30-35€ pro Stunde inkl. etwaiger Einsatzzulagen.
Wir reden hier vom Brutto. Abgezogen werden muss davon die Einkommenssteuer, Haftpflichtversicherung, Sozial-, Kranken-, Pflege-, Unfall-, Arbeitslosenversicherung und Altersvorsorge. Realistisch bleiben nach einem 24h-Dienst mindestens 24 Stunden (besser 48h) frei. Wenn man viel Wert darauf legt, den ersten Herzinfarkt vor dem 50. Lebensjahr zu bekommen, dann kann man die Dienstfrequenz sicher auch höher takten.
Wenn man das dann mal sauber durchrechnet kommt man schnell darauf, dass sich damit nicht die superlange Mark machen lässt, wie sich das manche Patienten gerne mal vorstellen. Sicher, ein Arzt verdient gut, aber die Motivation für die Tätigkeit als Notarzt kommt doch eher von der Leidenschaft für den Beruf.

Ich fahre gerne Notarzt. Ich freue mich, wenn ich Menschen die in eine Notlage geraten sind helfen kann und freue mich über das gute Gefühl etwas richtiges getan zu haben. Dafür nehme ich auch ein sehr hohes Unfallrisiko, Infektionsrisiko, tief fliegende Perfusoren und blöde Arbeitszeiten in Kauf.
Ich kenne keinen, der es wegen des Geldes macht und mit 60 möchte und werde ich das auch nicht mehr machen. Im Moment ist es gut und richtig so wie es ist.
Grüße aus dem Notarztzimmer,

der Narkosearzt