Feuerwerk 2020 – eine Prognose.

Im Moment wird fleißig diskutiert über das für und wieder der schwarzpulverinduzierten Feinstäuberei.
KONTRA:
Geld
Umwelt Müll
Umwelt Feinstaub
Umwelt Giftstoffe (Strontium, Cäsium, Kobalt…)
Gefahren und nicht Kosten für das Gesundheitssystem

PRO:
Wir wollen aber unseren Spaß.

Der Deutsche hat es nicht so mit Verboten. Seien sie auch noch so sinnvoll.
Ehrlich gesagt wären mir so ein paar Raketen und Böller an Silvester auch herzlich egal, aber es ist ja wie meistens. Die bescheurten 5% verderben den anderen 95% den Spaß.
Ich habe Silvesterfeiern erlebt bei denen Raketen bewusst in Menschenmengen gezielt wurden. Kriegsähnliche Zustände in der Altstadt, Polenböller die zwischen die Beine geschmissen wurden. Haha, wie lustig.

Wer kleine Kinder hat, lernt Silvester zu hassen. In den Tagen davor und danach kann man sich in der Wohnung mit Oropax einschließen, an einen Gang in die Stadt ist nicht zu denken.
Diese 5%-Spinner werden sich auch von einem Verbot nicht abhalten lassen, schon klar.
Anyway – hier meine These:
In irgendeiner Großstadt dieses Landes werden entsprechende Böller für einen Terroranschlag gehalten und eine Massenpanik hervorrufen die dann die Polizei wie in München beim Amoklauf mit einem Großaufgebot so sehr beschäftigen werden und so enorme Kosten verursachen werden, dass man dem ganzen einen Riegel vorschiebt. Nicht direkt von ganz oben, eher so in kleinen Schritten.
Böllerverbot in der Altstadt, nächstes Jahr in der Innenstadt, danach im Stadtgebiet, dann vom 31.12. bis 1.1., dann vom 28.12. bis 2.1. und so weiter.
Ach Moment – das läuft schon? Die BLÖD veröffentlich den großen Böller-Atlas („Wo sie knallen dürfen – und wo nicht“)
Sehr gut.

Übrigens – Julia Klöckner – unsere Ernährungsministerin und Verbraucherschutzministerin die gegen eine Lebensmittelampel zur Kennzeichnung von ungesunden Lebensmitteln ist – die ist auch gegen ein Böllerverbot. Die ist auch der Meinung, dass man Ferkel auch ohne Betäubung kastrieren kann, das ist nämlich keine Tierquälerei. Stalleinbrüche von Tierschützern die Verstöße gegen den Tierschutz aufzeigen wollen will sie dagegen härter bestrafen lassen.
Diese Frau ist auch gegen eine Zucker-Steuer, obwohl wir wissen, dass zwischen Zuckerkonsum und Diabetes-Erkrankungen ein direkter Zusammenhang besteht.
Diese Frau ist auch gegen ein Verbot von Feuerwerk.
Das alleine sollte Warnung genug sein.

Ich gehe jetzt übrigens ins Bett, ich habe morgen 24-Stunden-Dienst.
Ihr Kinderlein kommet – aber nicht das Amputat vergessen!

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Frag den @Narkosedoc – Twitter und ich.

Ich bin mal rüber zu diesem Twitter, habe die Decke abgezogen, entstaubt, frisch geölt, paar rostige Bauteile abgeschliffen und neu lackiert und – zack!

Der @narkosedoc zwitschert. Eine tolle Community dort, weitestgehend sehr höflicher und respektvoller Umgang, das gefällt mir. Klar, so ein paar Krakeelige sind auch dort dazwischen, aber in einem Wald voll zwitschernder Vögel muss man auch mal so einen röhrenden Hirsch verschmerzen können. Testosteron und so.

Ich habe dort eine Frage rausgehauen, Servicetweet quasi.

Was wolltet ihr immer schon vom Notarzt wissen?

Und jetzt geht es los.

https://platform.twitter.com/widgets.js

Per Sie und in höflich. Ich sagte es ja, sehr netter Umgangston hier 😉

Es sind tatsächlich AutofahrerInnen, die mal eben schnell noch hier durch müssen. Da erlebt man alles. Auch wenn wir mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs sind erleben wir Linksabbieger die uns die Vorfahrt klauen oder viel zu spät an die Seite fahren. Überhaupt wird gerne gebremst, aber sonst passiert nichts. Also ich sag mal so – mitten auf der Spur stehen bleiben sorgt jetzt nicht direkt dafür, dass wir schneller voran kommen. Und dafür machen wir ja den ganzen Zirkus. Ich glaube das ist manchmal aber auch einfach Überforderung, deshalb bin ich da auch erstmal keinem böse.

<blockquote class=“twitter-tweet“ data-conversation=“none“ data-lang=“de“><p lang=“de“ dir=“ltr“>Ich stelle mir die Zeit im Krankenwagen bis man beim (schwerverletzten) Patienten ist sehr schlimm vor. Ich könnte unter einem solchen Stress kein Auto fahren. Wie geht ihr damit um und was sind die Gedanken bei der Fahrt? Übrigens, Danke für Eure Arbeit!! ❤️</p>&mdash; Lola77 (@aarven77) <a href=“https://twitter.com/aarven77/status/1070287480639946752?ref_src=twsrc%5Etfw“>5. Dezember 2018</a></blockquote>

Ja, das ist unangenehm. Vor allem wenn auf der Anfahrt dann weitere Infos von der Leitstelle an uns weitergereicht werden. SHT Kind auf dem Melder und dann „Patient trübt jetzt ein“ zu hören sorgt für zusätzliche Anspannung. Davon muss man sich aber auch ein wenig frei machen. Es bringt nichts, wenn wir auf der Anfahrt verunfallen. Ich bin heilfroh, dass ich eine/n FahrerIn habe. Bei Kindernotfällen nutze ich die Zeit und rechne anhand der bekannten Daten zum Patienten (Alter, manchmal sogar Größe und Gewicht) benötigte Medikamentendosierungen aus. Was soll ich auch sonst machen?

Ohweiaohjemine hilft ja auch keinem weiter. Ein Mindset für die Narkose machen hilft hingegen schon. Manchmal sprechen wir uns auch ab welche Zielkliniken geeignet werden, ob wir noch den Hubschrauber dazu nehmen und ähnliche Sachen.

Nein.

Aber die Antwort hättest Du Dir ja auch selbst geben können, also hier nochmal in ausführlich. Appelative Suizide („Hilfeschreie“) sind meist sehr offensichtlich. Diese Patienten wollen aber auch meist gar nicht sterben sondern senden einen Hilferuf. Ritzen am Unterarm und sowas. Muss man total ernst nehmen und das tun wir auch.

Echte Suizidversuche können auch soweit fortgeschritten sein, dass der Patient selber nicht mehr befragt werden kann. Bei bewusstlosen Personen checken wir aber immer erst die eigene Sicherheit (CO? Andere Gase? Stromunfall?) und dann die Umgebung z.B. auf leere Tablettenblister oder ähnliches.

Meist gibt es irgendein kleines Detail was nicht stimmt oder jemanden aus dem Team stutzig werden lässt und dann kommt man meistens doch drauf. Auch deshalb sind wir ein Team und nur gemeinsam so richtig gut.

Der Tweet von @raphibuffy erinnert mich an ein sehr unschönes Erlebnis. Ein eingeklemmter LKW-Fahrer dessen Kopf unverletzt geblieben ist, der aber unterhalt der Brust von seinem Lenkrad eingeklemmt war. Der Unterkörper war nicht mehr durchblutet. Es stand zu befürchten, dass der Patient sofort innerlich verblutet, sobald wir das Lenkrad wegnehmen. Der konnte noch mit uns sprechen und war sich dennoch bewusst, dass hier sein Leben zu Ende geht. Wir haben noch mit ihm gesprochen, die Personalien aufgenommen und ich gebe zu, dass ich ihm ein bißchen mehr Hoffnung gemacht habe als angemessen gewesen wäre. Er erzählte nichts von einer Familie sondern nur, dass wir seinen Spediteur informieren sollen, dass er einen Unfall hat. Ich habe ihn versucht verbal abzlenken und ihn medikamentös abgeschirmt, also schmerzfrei gemacht. Als wir das Lenkrad ganz leicht nach vorne gezogen haben wurde er schlagartig weiß und bewusstlos. Man hat hinterher einen Abriss der Hauptschlagader festgestellt, das wäre mit dem Leben nicht vereinbar gewesen. Wir können eben leider nicht allen helfen. Das muss man akzeptieren können. Einfach ist das trotzdem nicht.

Indem man darüber redet. Ich rede darüber lieber mit meiner Frau als mit meinen Arbeitskollegen, aber das muss jeder für sich selbst rausfinden.

Viele flüchten sich auch in den Sport.

Was auch hilft – ein routiniertes Abschiedsritual. Melder abgeben, Klamotten ausziehen, Duschen (und die Sorgen „abwaschen“), bequeme Alltagskleidung an, laute Mucke für den Nach-Hause-Weg und dann zu Hause ankommen.

Es gab auch schon Tage an denen ich gesagt habe – heute gehen wir gemeinsam richtig lecker Essen. Einfach um das Leben zu feiern. Bewusst einen Kontrapunkt setzen zu den manchmal sehr traurigen (oft aber auch sehr lustigen 😉 Eindrücken.

Aber ja, leider. Viel zu oft.

Ich versuche das immer ein wenig zu bremsen, ehrlich. Ich finde es dem Leitstellendisponenten gegenüber unfair. Die müssen am Telefon entscheiden ob das ein echter Notfall ist oder nicht. Und wenn sie weniger als den Löschzug+RTW+NEF raus schicken müssen sind sie am Ende noch haftbar dafür. Nee, ich sage immer – lieber ein einfacher Notfall und schnell wieder ins Bett als irgendwas superschlimmes kompliziertes. Freuen wir uns doch einfach, dass es glimpflich ausgegangen ist und tschüss, ruhige Nacht noch. Hilft ja sowieso nichts sich aufzuregen, passiert ist passiert.

Weil ich verdammt stolz bin ein Teil der Luftrettung zu sein. Ich habe nirgendwo vorher ein so professionelles Team erlebt. 100% Verlässlichkeit von jedem Teammitglied. Herausforderungen die uns oft medizinisch und menschlich ans Limit bringen aber die wir gemeinsam zu bestehen versuchen.

Ein Team in dem wir offen mit Fehlern und Beinahe-Fehlern umgehen. Und ein tecnisches Hilfsmittel (der Hubschrauber) welcher wahrscheinlich eine der komplexesten Maschinen ist, die der Mensch je geschaffen hat. Und den der Pilot exakt dahin stellen kann wo er/sie das möchte.

Übrigens – jeder von uns in diesem Team ist so begeistert von der Luftrettung. Wir sind jeden Tag dankbar dafür, dass wir unseren Traum wahr machen konnten. Diese Begeisterung geben wir auch gerne weiter. Komm doch mal vorbei, wenn wir in Deiner Nähe landen 😉

Das entscheidet die Leitstelle je nach Notruf. Es gibt bestimmte Stichwörter bei denen der Disponent einen Notarzt mit raus schicken muss. Luftnot, Sturz aus großer Höhe und solche Dinge. Manchmal ist es auch Ermessenssache.

Ich habe das als Notarzt noch nicht erlebt. Aber auf einer Intensivstation. Ich musste ihn notfallmäßig intubieren, er war auf dem Weg in den OP. Keine Zeit für ein Telefonat, keine Angehörigen vor Ort. Ich habe ihn gefragt, ob er mir noch was sagen möchte weil seine Karten ziemlich schlecht standen. Ich habe das was er mir gesagt hat dann genau so seiner Frau gesagt und ich hatte noch nie so einen dicken Kloß im Hals.

Es war sehr schön und es war sehr traurig und am Ende waren es tatsächlich seine letzten Worte. Das klingt total kitschig und es riecht sehr danach als wenn ich mir das so ausdenken würden aber wer in der Notfall- und Intensivmedizin arbeitet weiß – so absurd und so brutal wie die Realität manchmal ist können wir uns das gar nicht ausdenken.

Falls es wirklich um „Kochsalzlösung“ geht, also NaCl-Infusion kann ich nur sagen – damit kann man Nudeln kochen, mehr nicht. Der Erfolg dieser Infusion ist wohl dem Erfinder zu verdanken, der die Plörre als physiologische Kochsalzlösung vermarktet. Physiologisch klingt natürlich und ist besser als pathologisch. Kochsalz kennt man aus der Küche, das kann so schlimm nicht sein. Und eine Lösung suchen wir ja meistens im Leben.

Soll man nicht geben, niemals. Auch nicht bei Dialysepatienten.

Hier gut nachzulesen:

http://www.wains-world.de/2014/11/03/chips-und-erdbeeren-niemand-braucht-nacl/

Das ist mir tatsächlich noch nie begegnet. Ich werde aber zukünftig mehr darauf achten, sollte mir ein Smartphone vor die Füße fallen.

Wie ist das bei anderen Blaulichtern? Ist das jemandem von Euch schon mal da draußen begegnet und habt ihr daraus echten Nutzen gezogen? Hat es ggf. sogar die Therapie verändert?

Tät mich interessieren tun.

*war vor 2 Wochen auf einer notfallmedizinischen Workshop zum Thema Geburt im Notarztdienst

*googlet „regelmäßig“

Eine von mir sehr geschätzte Kollegin ist Geburtshelferin und Gynäkologin. Sie ist der festen Überzeugung, dass alle präklinischen Geburten gemeinsam haben, dass die strahlenden Protagonisten welche das Kind dann in der Klinik abgeben allerhöchstens Zuschauer eines spontan ablaufenden Naturereignis sind dem sie in Ihrer Funktion als Rettungsdienst zufällig beiwohnten.

In der Kurzfassung kann man sagen – eine normale Geburt erfordert fast kein Eingreifen von außen, das Kind wird seinen Weg finden. Und jetzt warte ich auf die Hebammen die mich verhauen. 😀

Aber im Ernst – komische Sternenguckerlagen und Schulterdystokien – da sind wir doch alle komplett aufgeschmissen. Auch die Anästhesisten, weil man das Problem nicht mit einem Tubus lösen kann 😀

Und zum Schluss weil es das ganze so schön abrundet:

Ja Mann.

Danke sagen, dankbar bleiben.

Die letzten Jahre musste ich immer an Weihnachten arbeiten. Entweder Heiligabend oder am 1. Weihnachtsfeiertag.
Ich werde dieses Jahr an Weihnachten Dienst „light“ arbeiten. Heiligabend frei, 1. Weihnachtstag frei, am 2. Weihnachtstag dann Tagdienst. Das ist vollkommen okay für mich, ich bin froh, dass ich Heiligabend und den 1. Weihnachtsfeiertag mit meiner Familie verbringen kann. Eigentlich möchte ja jeder an Heiligabend und am 1. Weihnachtstag frei haben. Manche fahren nach Hause zur Familie, ich habe auch schon von Abi-Treffen an Weihnachten gehört (weil ja alles ins Dorf zurück kommen). Selbst unsere KollegInnen muslimischen Glaubens machen ungern an Weihnachten Urlaub. Sie feiern zwar kein Weihnachten, genießen aber die festliche, winterliche Atmosphäre.
Wirklich freiwillig ist also keiner an Weihnachten im Krankenhaus. Die Patienten schon gar nicht. Spätestens am Vormittag von Heiligabend wird nochmal Patient für Patient durchgeschaut ob es irgendwie möglich ist eine Entlassung (wenn auch nur für ein paar Tage) verantworten zu können. Über die Unfreiwilligkeit dieser Zwangsgemeinschaft und die besondere Atmosphäre dieser Tage habe ich an anderer Stelle schon mal was geschrieben, das würde ich auch heute so noch unterschreiben. Es bleibt etwas besonderes und es ist auch ein besonderes Gefühl für diese Menschen da zu sein, die nicht anders können. Die komplett auf uns angewiesen sind, deren Leben davon abhängt, dass wir da sind und für sie sorgen, für sie kämpfen.
Wenn dann an Heiligabend alle home-for-christmas-driven und ich in die Gegenrichtung fahre, dann fühlt es sich immer ein bißchen traurig an. Gleichzeitig habe ich ein gutes Gefühl. Ich weiß, dass wir heute keine Lapalien behandeln sondern wirklich nur die, bei denen es nicht mehr anders geht.
Operative Eingriffe legen wir soweit mediznisch vertretbar auf den 23.12. oder den 25.12., so dass auch unsere Intensivpatienten am 24.12. mit ihrem Besuch ein bißchen Zeit verbringen können.
In diesen Diensten ist dann manchmal auch sowas wie Zeit für die Patienten und Angehörigen da, was man sich sonst oft wünscht, sich aber kaum realisieren lässt.
Wir haben einen hauseigenen Gospelchor, der meist schon im September mit den Proben für Weihnachten anfängt und wirklich gut singt. Die singen dann unten im Forum aber auch auf jeder einzelnen Station mindestens zwei bis drei („Zu-ga-be!“) Lieder. Das ist ein enormer Einsatz.
Ich werde an Weihnachten an die Polizisten, die Mitarbeiter in der stationären Altenpflege, die Mitarbeiter in den Jugendwohnheimen, den Sozialstationen und den Wohnheimen für Menschen mit Behinderungen. Die Busfahrer, die Pilotinnen und die Zugführer, die uns an Weihnachten nach Hause bringen. Ein Freund von mir wird im Kraftwerk sitzen, Spitzenleistungen abfangen, Strom umleiten und dafür sorgen, dass unser Baum am Heiligabend schön leuchtet. Unzählige Gesprächspartner sitzen bei der Telefonseelsorge bereit und haben ein Ohr für einsame Menschen. Was für eine wertvolle Aufgabe!
Da fehlen noch ein paar mehr. Die Mitarbeiter aus dem Radio und dem Fernsehen zum Beispiel. Oder die Einzelhandelsfachverkäuferin die an der Kasse sitzen muss, weil der REWE bis 22 Uhr geöffnet hat. Egal ob Kunden kommen oder nicht.
Das macht dann schon wieder nachdenklich, ob das wirklich so sein muss, dass man am 24.12. um 21 Uhr eine Fleischwurst kaufen kann. Oder Chips.
Die Polizisten, der Rettungsdienst, das sind die stillen Helden. Die müssen ja, Leben und Tod und so weiter. Aber der kleine Kassierer beim Penny um die Ecke? Hat der denn eine Wahl? Müssen die denn auch? Ja, sie müssen. Aus verschiedensten Gründen.
Unsere Welt hat sich verändert, 2018 haben wir so manchen Wahnsinn der vom Präsidenten mit dem hirnorganischen Psychosyndrom vertwittert wurde nur noch ein müdes Lächeln übrig gehabt. Der Wahnsinn ist zum Alltag geworden, das Fahrgeschäft hat auf Turbo geschaltet.
Als vor ein paar Jahren jemand sagt „jetzt sind die guten alten Zeiten von denen wir in ein paar Jahren sprechen werden“, da haben wir gedacht, das kann nicht sein. Und heute sagen wir – so war es. Ich erinnere mich an Diskussionen während meines Krankenpflegepraktikums im 1999/2000 und da wurde schon geschimpft. Internistische Station, 14 Zimmer, maximal 36 Patienten, wir waren mit 9 Leuten im Frühdienst, 6 Examinierte, 2 Schüler und ich. Heute wuppen die das im Frühdienst manchmal zu dritt. Zwei Examinierte, eine Schülerin. Fertig.
Wir sollten wachsam sein, aufeinander acht geben. Nicht nur aufs Recht bestehen sondern etwas Gutes tun. Der Chemokasper zum Beispiel hat in der Nacht einen quasi unsichtbaren – weil komplett in schwarz gekleideten – Fahrradfahrer auf einer dunklen Strecke mit dem Auto Geleitschutz gegeben. Das sind für mich moderne Ritter! Lasst uns mehr aufeinander achten.
Sei ein Ritter, sei eine Ritterin.
Und ruf Mama und Papa mal wieder an, sie freuen sich. Nebenbei kannst Du vielleicht am Telefon das WLAN reparieren, das geht schon wieder seit Tagen nicht. Aber das ist eine andere Geschichte.
Frohe Weihnachten und eine ausgeglichene bis positive Kalorienbilanz wünscht,

der Narkosedoc

End-of-life-decisions. Wir müssen reden.

Mit dem etwas sperrigen Ausdruck „End-of-life-decisions“ werden all jene Entscheidungen beschrieben die am Ende eines Lebens gemacht werden müssen.
Manche davon entscheidet der Patient selbst, manche die Krankheit, andere Entscheidungen müssen von den behandelnden ÄrztInnen oder sogar von den Angehörigen getroffen werden.
Entschieden wird aber so oder so, man kann nicht keine Entscheidung treffen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt – man kann Entscheidungen aufschieben, aber auch das ist eine Entscheidung.
Ich entscheide das jetzt nicht heißt im Umkehrschluss – wir lassen alles erstmal so weiterlaufen. Das ist auch eine Entscheidung.

Um mehr Selbständigkeit in den mitunter wichtigsten Fragen des eigenen Lebens zu gewinnen, vor allem aber auch um den eigenen Angehörigen Unsicherheit und Zweifel zu nehmen sollte man einiges regeln.
Dazu gehört ein Testament, klar. Wer kriegt die Kohl, die Pelze, die Immobilien.
Aber auch – wohin soll mein Hund, wenn ich nicht mehr für ihn sorgen kann? Wohin soll er vor allem nicht?
Dazu gehört auch eine Vorsorgevollmacht. Sie regelt, dass wenn ich selber nicht mehr in der Lage bin meine Angelegenheiten zu regeln – und nur dann! – eine von mir dazu beauftragte Person diese Aufgaben übernimmt. Habe ich keine Vorsorgevollmacht wird in der Regel ein naher Verwandter als Betreuer eingerichtet, das ist aber lange keine Selbstverständlichkeit.
Viele glauben immer noch, dass eine Heiratsurkunde so eine Art Vorsorgevollmacht ist. Das hat damit nichts zu tun!

Exkurs:
Ein Mann liegt auf unserer Intensivstation, Darmverschluss, komplizierte OP, viel Blutverlust, Multiorganversagen, Langzeitbeatmung, Dialyse, Ausgang ungewissen, langfristige Pflegebedürftigkeit sehr wahrscheinlich, dauerhafte Hirnschäden nicht auszuschließen.
Seine Ehefrau möchte in seinem Sinne die Therapie beenden.
Seine Tochter ist der gleichen Meinung, der Vater habe das nicht gewollt. Es ist aber nicht schriftlich fixiert, man wollte das immer machen, liegt auf dem Küchentisch, ihr kennt das.
Die Tochter lebt mit den Eltern in einem Haus, man hat ein sehr inniges Verhältnis. Es wird das Vormundschaftsgericht eingeschaltet und eine Betreuung beantragt.
Der Sohn (in Argentinien lebend) wird informiert, dass es dem Vater nicht gut geht. Vor Jahren kam es zum Bruch in der Familie, er hat den Vater seit 15 Jahren nicht gesehen. Er mischt sich jetzt ein, will die Betreuung übernehmen. Er wird also vom Richter angehört, sagt aus, dass der Vater ein lebensbejahnder Mensch gewesen sei (vor 15 Jahren…) und er sicher eine Maximaltherapie wünsche. Die Frau, die Tochter insistieren. Es kommt zum Streit und der Richter entscheidet das einzig mögliche – ein neutraler, fremder Berufsbetreuer wird eingesetzt. Diese Leute „betreuen“ manchmal 150 oder bis zu 200 Menschen.
Es gibt wie überall viele gute Menschen, aber auch schwarze Schafe. Ich habe auf unserer Intensiv in fast 10 Berufsjahren noch nicht ein einziges Mal (!) einen Berufsbetreuer gesehen. Man faxt denen was hin, die unterschreiben das und schicken es zurück. Keine Skrupel, keine Interessenwahrnehmung, es ist eine Abwicklung von Geschäften.
Will man das? Wohl eher nicht. Also regelt das schriftlich wer wann was für Euch entscheiden darf. In einer Vorsorgevollmacht.

Wenn man Kinder hat sollte man auch eine Sorgerechtsverfügung verfassen.
Hier wird festgelegt wer sich um die Kinder kümmern soll und wer das Sorgerecht bekommen soll wenn ihr es selber nicht mehr ausüben könnt. Das ist unfassbar wichtig. Ein Familiengericht wird das mit höchster Priorität berücksichtigen, was eine Mama für ihre Kinder gewünscht hätte. Pflegefamilie oder Kinderheim? Zu den Großeltern die zwar viel Liebe schenken aber auch schon selbst sehr alt sind und 200km weg wohnen und wo die Kinder sich einen komplett neuen Freundeskreis aufbauen müssen?
Oder doch lieber zu den Freunden die in der Neubausiedlung direkt nebenan wohnen aber selbst schon drei Kinder haben?
Überflüssig zu erwähnen, dass man sowas natürlich ganz konkret mit den Menschen besprechen sollte die in der Sorgerechtsverfügung genannt werden…

Bleibt noch die Patientenverfügung. Die Entscheidungen die ich für mich in der Patientenverfügung festlege haben unter Umständen die am weitesten reichenden Folgen. Für mein eigenes Leben, aber auch für das weitere Leben meiner Familie, Angehörigen und Freunde.
Warum es Sinn macht auch als 21-jährige Topsportlerin oder als 24-jähriger Medizinstudent eine Patientenverfügung formuliert zu haben, darüber schreibe ich im nächsten Artikel.