Sche** Fernsehen. Definitionssache.

Sonntagabend, der fleißige Allgemeinchirurg hat noch ein Gute-Nacht-Pickelchen aufgemacht und weil er mit einer kleinen OP einfach besser in den Schlaf findet soll ich doch bitte hier mal noch schnell Narkose machen. Die berühmt berüchtigte Lust-OP. Aber wir müssen uns beeilen, weil sonst geht der Pickel noch von selbst auf und dann kann man ja nicht mehr operieren! Aber das nur am Rande.
Die Pat. (eher so untergroß und unterpfiffig) freute sich über die medizinische Zuwendung zu ihrem seit 11 Tagen bestehenden und jetzt aber wirklich ganz arg schlimmen Pickel!!
In dem Smalltalk rund um die Anästhesie-Standardfragen sehe ich, dass es mittlerweile 20:17 Uhr und damit Zwei-Minuten-nach-Tatort-Zeit war.
Narkosearzt: -Oh, es ist ja Zwei-MInuten-nach-Tatort-Zeit!“
Frau Unteralles: – ?!?!?!?!!! HÄ?
NA: – Naja, is doch Sonntagabend? Tatort? Guckensenich?
Frau Unteralles: Nee, so ’ne Schei** guck ich nicht.
NA: – Also soooo kann man das ja nicht sagen. Das sind ja mittlerweile sehr aufwendig produzierte Filme die teilweise ja schon eher Kinoform…
Frau Unteralles: – Neee. So ne Schei** gucke ich nicht. Das is doch voll schlecht.
NA: – (OK, Tatort is ja auch eher so Geschmackssache. Hab ich sie unterschätzt? Doch eher die ARTE-Reportage über Bauernkriege im polnischen Hinterland des 16. Jahrhunderts?) Was gucken sie denn gerne?
Frau Unteralles: GZSZ. Das is RICHTIG gut.

– Läuft.

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Raus aus dem Stress.

Der Tag fing mit einer verkorksten Übergabe an. Jaja, die Natriumwerte der letzten zwei Wochen aufzählen aber die wirklich wichtigen Dinge (einmal MRSA-positiv, eine angeblich unumgängliche Intubation bei einem Pat. bei dem wir uns über Tage bemüht haben eben diese zu vermeiden und und und) unter den Tisch fallen lassen. Das kann ich ja haben.
Mein Oberarzt neben mir flüstert mir ins Ohr „ist ne Zumutung solche Übergaben, oder?“. Hmja. Vor allem wenn ich die Intensiv übernehmen soll.
Ich musste dann noch einen nachgemeldeten Patienten für den OP prämedizieren, hab dem Koordinator gesagt, dass der nüchtern ist und von uns aus direkt in den OP kann (das habe ich auch noch ausführlich begründet, ein Missverständnis war also ausgeschlossen). Der Koordinator hat sich dann einen fertig koordiniert um hinterher mir die Schuld in die Schuhe zu schieben weil er es fertig gebracht hat, einen kompletten OP-Saal für eine Stunde lahm zu legen und es dann mir in die Schuhe schieben wollte, weil ich gesagt hätte, dass der Patient in den OP muss. Ein Patient hat sich den sorgsam angenähten (!) zentralen Venenkatheter gezogen und wollte dann irgendwie seinen Tubus nicht mehr behalten. Es war also mal wieder mächtig Stimmung in der Bude und ging in etwa so weiter bis….

… mich die Pforte anrief, dass die Feuerwehr einen zweiten Notarzt benötigen würde. Yes! Das bin ich!
Zur Stellung eines zweiten Notarztes sind wir verpflichtet, außerdem muss ein Oberarzt auf der Station bleiben. Es blieb mir also keine andere Wahl als meinem Oberarzt die Funke in die Hand zu drücken und mich zu verabschieden. Ich bin dann mal in der Sonne.
Auf dem Melder stand eine eingeklemmte Person, Verkehrsunfall und da sind wir dann auch hin.
Ein Patient, ein Team, ein Ziel. Alles klar definiert, dank PHTLS klar definiert.
Und ich war ganz ruhig dabei und sehr glücklich jetzt! genau! das! und nur das machen zu können und endlich einmal aus dem Hummelnest heraus zu kommen.

Mir fiel erst auf der Rückfahrt auf, wie absurd es ist, sich über einen solchen Notarzteinsatz zu freuen, nur um mal ein bißchen Ruhe zu haben. So ist das manchmal.
SIMULATION eines Verkehrsunfall mit Brandentwicklung
(SIMULATION eines Verkehrsunfall mit Brandentwicklung, kein echtes Einsatzfoto!)

Flatratesaufen: you have reached your final destination.

15 Jahre, hat es mit einer knackigen Alkoholvergiftung bis auf unsere Intensiv geschafft. Der Kollege konnte es sich nicht nehmen lassen einen modifizierten Intensivplan zu schreiben.
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PS: Früher haben wir Infusionen und Antiemetika, manchmal auch Glukose aufgeschrieben > Kater adé. Das machen wir nicht mehr. Es fehlt der pädagogische Effekt. Stattdessen gibt es für alle eine Windel. Das wirkt und spricht sich rum.