Aus dem Ampullarium einer Suchmaschine

Was ein Spaß! Ich habe mich immer köstlich amüsiert, wenn ich z.B. auf dem großartigen Chaos-Blog mit schüttelndem Kopf vor den grotseken Suchmaschineneingaben saß die den Suchmaschineneingeber dann in diesem Fall zu Josephine geführt haben.
Mit noch größerem Erstaunen habe ich festgestellt, dass auch zu meinem Blog so mancher Suchmaschineneingeber kommt. Aber auf was für einem Weg! Herrschaftszeiten… alleine dafür sollte man einen Blog gründen!
Heute also – ungefiltert, ungeschönt und ungerechtschreibkorrigiert – die Perlen aus dem Ressort „Dinge, die ich von anderen nicht wissen muss aber ich muss gerade aufs Klo, da passt das ganz gut“…

notfallheilpraktiker
Globuli bei der Reanimation? Oder Therapeutic Touch beim Polytrauma (Aua!)?

bei nachblutung hubschrauber anfordern
Pjuoah. Kommt drauf an wer fragt. Die überforderte Hebamme bei der Hausgeburt? Der diensthabende Gynäkologe nach der fraktionierten Abrasio?
Einen Hubschrauber kann man übrigens nicht einfach so anfordern, das entscheidet die Leitstelle. Oder der Notarzt vor Ort, der kann auch einen Hubschrauber anfordern. Oder Ritchie Rich (kennt den noch jemand?)

restaurant eltern übernommen problem
Wie kommt der hier hin? Ich meine was hat Dr. Google sich da gedacht diesen armen Menschen, der offensichtlich eher zu Herrn Rach (dem Restauranttester) sollte auf meinen Blog zu schicken. Alles Gute!

dialysehirn
Gibt es. Ist da jetzt das Hämodialyse-Dysäquilibrium gemeint? Oder die Tatsache, dass die Dialyse zwar ganz toll Krea und Harnstoff und allerlei Zeugs rausfiltert, aber offensichtlich die Funktion der Niere eben nicht zu 100% übernimmt. Das heißt ein bißchen von dem was eigentlich über den Urin raus aus dem Haus muss sammelt sich im Körper. Oder wie es mal ein Prof formulierte: dick, doof, Diabetes, Dialyse. Naja.

der narkosearzt blog
Das bin ich. Hallo!

ist notarzt ein hauptberuf?
Nein. Es ist kein Facharzt im eigentlichen Sinne. Also man kann Augenarzt oder Kinderarzt aber nicht hauptberuflich Notarzt sein. Wobei sich das in den letzten Jahren etwas gewandelt hat. Es gibt mittlerweile einige Ärzte die ausschließlich mit Honorararzttätigkeiten als Notarzt ihre Brötchen verdienen. Die klinische Tätigkeit ist für einen Notarzt aber unersetzlich, da sonst Fähigkeiten wie das intubieren verlernt werden. Dazu gibt es zwar nur wenige aber eindeutige Studien.

utensilien bei allergie
Also Utensilien würde ich das nicht nennen. Eher Medikamente. Steht hier ganz gut erklärt.

aortenklappenrekonstruktion halt die klappe
Wie meinen? Geht es um die Frage ob die Klappe hält? Oder wer soll hier die Klappe halten. Also Aortenklappen sind in der Regel zum Glück nicht so geschwätzig. Flachwitzmodus off.

haes haut
HAES beim Schock
warum gibt man HAES

Ja, lagert sich wahrscheinlich in der Haut ab. HAES ist ein mittlerweile sehr umstrittenes Zeug. Man hat Generationen von Medizinern beigebracht das HAES ein großes Molekül ist, daher viel Flüssigkeit an sich bindet und deshalb Volumen im Gefäßsystem halten soll. Klingt super plausibel, einer hat es vom anderen abgeschrieben, nur überprüft hat es nie jemand. Man weiß überhaupt nicht, ob das wirklich so wirkt!
Nicht zuletzt die „Affäre Boldt“ in der im ersten Schritt 89 Publikationen zurückgezogen wurden hat die Ergebnisse hunderte anderer Studien einem Schneeballeffekt gleich vernichtet. Seitdem soll HAES auf Empfehlung des BfArM falls möglich überhaupt nicht mehr angewendet werden. Könnte man mal einen Artikel drüber machen.

anapaed android
Gibt es soweit ich weiß nur für iOS. Super App im übrigen! Cordarex fehlt noch, hab ich aber zum Glück auch noch nie einem Kind geben müssen.

narkose demenz
Zusammenfassend: wohl eher nicht. Also „Narkose Delir“ ja. Etwa ein Drittel der älteren Patienten. Das Narkose wirklich auf den Kopf geht scheint erst in anderen Dimensionen wirksam zu sein. In Australien gab es mal eine Studie die gezeigt hat, dass erst bei Kindern die zwischen 80-120 Narkosen vor Abschluss des 18. Lebensjahres hinter sich bringen mussten Intelligenzdefizite ausfindig zu machen waren. Aber das sind meistens auch Kinder die ganz schwere andere Probleme haben. Da wird es dann für eine Studie schwierig zu klären was zuerst da war, Henne oder Ei. Oder so.

rettungsdienst weisheiten
Sammelt man mit den Jahren. Da kann Dir der Krangewahrefahrer wohl besser weiterhelfen. Oder der Paul der im Alltag wohl schon viel davon gesammelt hat. OK, eine hab ich: das Gewicht des Patienten steigt mit der Anzahl Aufzugsfrei zu transportierender Stockwerke.

auf its überfordert
Kenne ich einige. Das Problem sind nicht die Patienten, nicht der Stress, nicht das unplanmäßige Arbeitsaufkommen und auch nicht das eigene Unvermögen sondern meinr persönlichen (!) Meinung nach die Unfähigkeit zur Struktur. Man braucht einen Plan und den sollten andere auch wissen. Beispiel: Patient pustig, infektexazerbierte COPD, wir fangen mit NIV an und dann larviert man sich so von Situation zu Situation. Das merkt die Pflege, die Pflege ist dann auch verunsichert und bei 10 oder mehr Patienten wird das schnell unübersichtlich. „Wir lassen den eine Stunde am NIV und dann machst Du ne arterielle BGA und wenn der pH über 7,25 ist bleibt der am NIV, wir kontrollieren ne Stunde später. Unter 7,25 gibt es nen Tubus“. Klare Ansage, klare Richtlinie. Hilft allen. Im vorhinein Grenzen setzen, klar verfolgen, Arbeit antizipieren. Eigentlich ganz einfach 😉

intensivstation nach suizid
Ja, das kann passieren. Sogar gar nicht so selten. Sprung aus dem Fenster, hoher Querschnitt, Maximaltherapie und dann liegt man da und kann gar nichts mehr. Oder Tabletten eingenommen, am Erbrochenen so halb erstickt, vom Nachbarn gefunden, Notarzt, Beatmung, Hirnschaden und Wachkoma. Alles schon erlebt.

apoplex nach aortenklappenrekonstruktion
Das ist noch das kleinste Übel. Da hat es schon ganz andere Verläufe gegeben. Ich würde mir das wirklich gut überlegen, vor allem ab einem gewissen Alter.

übergabe auf der intensivstation was sind die inhalte
Das kommt drauf an. Für den übernehmenden Kollegen? Für den Chef? Für die beteiligten Fachabteilungen? Da muss man sehr wohl differenzieren. Mir hat am Anfagn ein strukturierter Plan geholfen (s.o.) der mit Ausfuhr, Einfuhr, Bilanz, Stuhl, Temperatur… anfing. Ich konnte ihn hinterher runterbeten. Wenn man dann noch das unwesentliche rausstreicht (Kalium war vorgestern bei 4,5…) bleibt meistens was verwertbares über. Frage an sich selbst: was würde ICH wissen wollen um den Laden zu schmeißen? Das kann man auch auf 5 Minuten eindampfen. Oder auf eine Stunde dähnen… ich bin Kaffee holen.

halbwissen+studieren
Könnte mit ein bißchen Glück was sinnvolles ergeben. Aber man kann ja auch den „Kicker“ studieren. Oder die BILD.

lieblings satz von arzt
Von mich? Nachts um 3 auf dem Dienstfunk: „Oh sorry, hab mich verwählt“.

wie wird ein retungswagen richtig aufgerufen
7 bitte 14! Im Wartezimmer auch schon mal „Der 12-82-1 mit der Blaulichtdysfunktion bitte in den Gipsraum“. Oder Du wählst die 112.

polytrauma ohne notarzt
Nee, mach das nicht. Nimm mich mit, wir wollen doch auch unseren Spaß.

wortfindungsstörung nach reanimation
Also wenn das das einzige Problem ist, dann gibt es da ein super Team denen man wirklich mal ein großes Dankeschönpaket vorbeibringen kann. Fresspakete und Kuchen gehen immer! Immer!

reanimation unter op wie lange
Ich stelle mir gerade den angehenden Anästhesisten im OP vor. Kack-OP, Patient will tot gehen, schafft dies, alle arbeiten dagegen, Reanimation auf vollen Touren und dann erstmal bei Google nachgucken wie lange man den Tineff noch machen soll?
Als wenn man das pauschal sagen könnte.

herzinfarkt im büro
112 rufen, im Zweifel: prüfen, rufen, drücken. Danke!

medizinisches wissen als narkosearzt
Brauchste nicht. Das wird völlig überschätzt. Geräteeinweisung reicht.

notarzttasche auto inhalt
Egal was die Tasche enthält, man braucht einen Verbandskasten. Ich hab mich fast scheckig gelacht, als ich gesehen habe, dass unser RTW einen Verbandskasten mit sich führt! Original!
Ach so und ich hab im Auto nur nen Ambubeutel dabei, das reicht fürs erste. Zu mehr kommt man sowieso erstmal nicht und die 5 Minuten bis der RTW da ist kann man auch so abwarten. Meine Meinung…

organsspende hund
Sachen gibts. Gibt es das?

oma hat delir was tun
Oma festhalten. Gut zureden. Alles erklären. Oma festhalten. Gut zureden. Alles erklären. Oma festhalten…

Ich freue mich auf mehr. Das machen wir jetzt hier quartalsweise. Schön. 🙂

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Reanimation auf allen Kanälen.

Ich weiß nicht, ob das nur mein Eindruck ist, aber das Thema Reanimation (Prüfen, rufen, drücken… ihr wisst schon) läuft im Moment wie doof durch alle Kanäle. Irgendwann kam mal „jemand vom Fernsehen“ (es muss der übermotivierte Praktikant im drölften Praktikum irgendwann muss! es! doch! mal! mit einer Festanstellung klappen) auf die Idee wir gehen mit so einem Streichelbrett und mobiler Karten-Ääääpp in die Einkaufsstraße, lassen die Leute drauftippen und dann fahren wir da hin und machen einfach ganz spontan daraus ne Reportage. Super.
Der dokumentierte Offenbarungseid einer Branche die nicht weiß, wie man die 24 Stunden Programm füllen soll. Sollen die doch das Testbild zeigen. Schön bunt, piepst, fühl ich mich wie auf der Arbeit. Es gibt Leute die sammeln sowas sogar. Ich schweife ab.
Es bleibt also die Frage ungeklärt ob im Moment so viel über Reanimationsgedöhns kommt weil einer auf den Kalender geguckt und die „Woche der Wiederbelebung“ entdeckt hat oder echtes Interesse dahintersteckt. Ist mir auch eigentlich egal, ich finde es klasse und freue mich über jeden der einfach mal loslegt wenn einer umkippt, toter als tot kann ja keiner werden. Und wenn noch Leben drin ist sagt der Mensch eben „EYYY! BISSE BEKLOPPT DU #*?&$/%!!!“ „Hust hust… Danke, danke. Alles gut“ und alles gut.
Was mir hingegen oft begegnet ist der Typ Mensch, der sich sagt ooooch, da beschäftige ich mich mit wenn ich das mal brauch. Wird ja irgendjemand im Einkaufscenter sein, da ist das ja nicht so wichtig, wenn ich das nicht 100%ig drauf hab.
Falsch.
Im Rahmen der sehr sehenswerten Episode „Erste Hilfe“ von Quarks&Co. wurde in populärwissenschaftlich leichtmöglichst verdaubarer Form eine Art Diagramm veröffentlicht das zeigen sollte, wem im Falle eines Herzstillstandes die Hilfe zugute kommt.
Voilà:
48% Partner
16% Familie & Freunde
3% Kollegen
20% Unbekannte
(Trotz umfangreicher Recherche war es mir nicht möglich die Quelle dieser Zahlen herauszufinden, für Tipps bin ich dankbar. Eigene Statistiken aufgrund persönlicher, notärztlicher Erfahrung decken sich aber mit diesen Zahlen).
So. Merkste watt? Der bewusstlose Mensch der sich irgendwann einmal hilfsbereit bereit für Hilfe vor Deine Füße werfen wird ist aller Wahrscheinlichkeit nach kein Fremder. Es wird Dein Ehepartner, Dein Vater, Deine Schwester oder Dein netter Nachbar sein.
Und dann wäre es doch verdammt cool, wenn man nicht blöd daneben steht und sich selbst in stabiler Seitenlage dazulegen muss weil man keine Ahnung hat, oder?
Richtig. Deshalb empfehle ich nochmal aufs Allerwärmste kurz beim freundlichen Hilfsorganisitions-Franchisenehmer vor Ort anzufragen wann denn das nächste Erste-Hilfe-Training stattfindet. Lohnt sich.
Und all denjenigen, die sich nochmal die Erste-Hilfe-Sendung von Quarks&Co anschauen möchten sei der folgende Link empfohlen, die weiteren Teile findet ihr bestimmt selber.

Nachtrag:
Ich habe mal gestern zwei Bekannte (1xJurist, 1x Versicherung) gefragt und die haben weder von „prüfen, rufen, drücken“ noch von der Aktion was gehört. Diese Omnipräsenz scheint sich also in der Allgemeinbevölkerung nicht ganz so abzubilden.
Wie sieht es bei Euch/Eurem Bekanntenkreis aus? Ist etwas von der Aktion angekommen?

Fernsehtipp

Ich bin ja kein Fan von diesen Fernsehtipps anderer Leute. Ehrlich gesagt kann ich ganz gut selber entscheiden, was ich gut finde und gucken will und fertig. Was am Freitag (also morgen) mittags um 12:30 Uhr auf 3SAT läuft dürfte aber den wenigsten präsent sein.
Daher hier mein Tipp zum selbergucken (vor/nach der Schicht?) oder selberprogrammieren. So und jetzt Tschempjensliehg gucken. Anpfiff is.

Schaltet mich ab!
Patientenverfügung im Ärztealltag
Film von Renate Werner
„Rosemarie Löw ist unheilbar lungenkrank und fällt mit akuter Atemnot ins Koma. Vom Notarzt gerettet wird sie in einem Krankenhaus sofort an eine Beatmungsmaschine gehängt. Gegen ihren Willen, wie sich später herausstellt. In ihrer Patientenverfügung hatte sie festgehalten, dass sie nicht an eine lebensverlängernde Maschine angeschlossen werden möchte. Aber die Verfügung wurde zu spät gefunden. Jetzt bettelt Rosemarie Löw täglich darum, dass die Ärzte ihren Willen erfüllen. Die Ärzte ringen um die richtige Entscheidung: menschlich, juristisch und moralisch. Am Ende soll ein im Krankenhaus einberufenes ethisches Konsil weiterhelfen. Seit 2009 ist der niedergeschriebene letzte Wille in der Patientenverfügung rechtsgültig. Ärzte müssen dem Patientenwillen folgen, sonst machen sie sich der Körperverletzung schuldig.
Die Dokumentation „Schaltet mich ab!“ begleitet die Ärzte im St. Marienhospital in Köln in dieser schwierigen Situation: Was im Gesetzestext einfach klingt, wird im Krankenhausalltag zu einem Dilemma.
(ARD/WDR)
Quelle: 3SAT
http://www.3sat.de/programm/?viewlong&d=20130920#1230

Nachtrag:
Wer es verpasst hat, hier hat jemand den Beitrag online gestellt: http://vimeo.com/47002600

Der ewige Gewinner.

Für den Mediziner ist der Tod die ultimative Niederlage. Es ist der größte Feind und er gilt bekämpft, mit allen Mitteln. Bis zum Schluss. Und sei es auch die drölfte Chemotherapie, dem Patienten wird immer erzählt da geht! noch! was!
Warum eigentlich?
Schon wenn wir geboren werden ist klar, dass dieses kleine Herz auch irgendwann wieder aufhören wird zu schlagen. Warum muss man dann so krampfhaft alles tun um das unvermeidliche zu vermeiden? Warum vor allem scheuen sich Mediziner so sehr auch mal klar zu sagen: hier ist ein Leben gelebt worden und jetzt geht es zu Ende. Warum?
Die Antwort ist relativ einfach und für den Patienten, noch mehr aber für die Angehörige von schmerzhafter Konsequenz. Der Arzt wird darin ausgebildet zu helfen. Zu heilen. Zu retten. Den Tod als finale Niederlage zu akzeptieren wiederstrebt allem, was ein Mediziner im Studium und in der Ausbildung lernt und anderen lehrt. Und deshalb meidet der gemeine Arzt den Tod so konsequent es irgend möglich ist. Es wird nicht über das Ableben gesprochen (im Hospiz? Zuhause im Bett mit palliativer Pflege? Auf der Intensivstation? Beatmet?) sondern lieber nach weiteren lebensverlängernden Maßnahmen gesucht (Chemo? Bestrahlung? Heimbeatmung? Dialyse?). Den Patienten wird oft in blumigen Worten (ich war oft genug dabei!) von all den Möglichkeiten erzählt. Damit verbundene Einschränkungen werden wenn überhaupt sehr selten und mehr als Fußnote, kleinlaut und im Flüsterton und auch nur auf explizites Nachfragen erwähnt. Und Nachfragen kommen glücklicherweise sehr selten.
Nein, eine Chemotherapie ist kein Ponyhof. Und eine Dialysetherapie heißt mindestens dreimal die Woche für ca. 8 Stunden im Krankenhaus sitzen, dazu unzählige Katheterwechsel, tausend neue Medikamente, tausend mal tausend Nebenwirkungen und irgendwann das unter Medizinern berühmte „Dialysehirn“.
Die Vermeidung des Todes hört aber nicht mit dem Tod auf. Manche Patienten erdreisten sich tatsächlich zu sterben, tun dies dann auch noch im Krankenhaus und werden dann mit Laken überm Gesicht (warum eigentlich?) über den Lastenaufzug schnell in den Keller gefahren und von dort aus in einem abgedunkelten Fahrzeug abtransportiert. Ist der Tod so etwas grausames? Oder ist es nicht viel grausamer, wenn man sich ständig darum bemüht ihn zu verdrängen?

Vor ein paar Jahren lernte ich (damals noch Student) einen Patienten, Herr Postel, 54 J.  kennen. Seineszeichens im Amateurbereich erfolgreicher Fahrrad-Rennfahrer, immer viel an der frischen Luft, nie geraucht, jetzt mit metastasiertem Bronchialkarzinom*. Traurig, tragisch, ohne Frage. Der Familie wurden die üblichen Gespräche angeboten (ja, Chemo, auf jeden Fall… gute Prognose…müssen alles versuchen… noch keine Lebermetastasen…).
Für Mediziner ein klarer – weil hoffnungsloser – Fall. Für den Patienten und die Familie – aufgrund mangelhafter Aufklärung – eine ernste, aber zu überstehende Erkrankung. Nach außen sah man ja wenig von dem Tumor.
Herr Postel starb inmitten eines seiner unzähligen Chemotherapiezyklen – für einen Tumorpatienten typisch- sehr plötzlich, er hatte eine massive Lungenembolie (Verlegung der Hauptblutbahnen der Lunge). Nicht alle Tumorpatienten sterben einen langsamen Tod. Der Tumor macht tausend Veränderungen im Körper, eine mögliche Folge sind Gefäßgerinnsel mit plöztlichen Schlaganfällen oder eben Lungenembolien.
Die Familie fiel aus allen Wolken. Der wäre doch noch so gesund gewesen, sie haben doch noch im Garten gesessen, von Tod wäre überhaupt nie die Rede gewesen.
Die behandelnden Mediziner wiederum waren perplex. Für sie war es unausgesprochen (!) klar, dass diese Erkrankung zum Tode führen würde. Nur war eben nicht klar, wann.

Das Problem für die Familie war, dass es ein Unternehmen gab, welches von Herrn Postel als Geschäftsführer geleitet wurde. Ausstehende Großaufträge waren an seine Person gebunden, Verträge und prokuristische Rechte waren alleine für ihn festgeschrieben. Es gab keine Vorsorge, weil keiner damit rechnete, dass man an sowas auch mal sterben könne. Die Firma wurde letztlich unter den beiden Söhnen aufgeteilt, der eine wollte, der andere wollte nicht, das Erbe wurde ausgezahlt, die Firma verkauft, letztlich insolvent, die Mitarbeiter arbeitslos.
Klar, hätte man auch unabhängig von der Erkrankung viel eher vorsorgen müssen aber  hier trifft die behandelnden Mediziner nach meinem Erachten eine Teilschuld, weil wieder mal das unvermeidliche gemieden wurde.

Und so bleibt am Ende als ewiger Gewinner immer der Tod. Ich für meinen Teil sehe den Tod als Teil des Berufs, Teil der Krankheit. Ich freue mich, wenn ich Menschen durch Gespräche oder auch Medikamente die Angst vor dem Tod nehmen kann. Statt Angst vor einer erneuten Niederlage gegen den ewigen Gewinner zu haben konzentriere ich mich darauf den Angehörigen Mut zu machen ihren geliebten Menschen gehen zu lassen und dann den letzten Weg gemeinsam zu gehen. Oft erlebt man dabei wunderbar friedliche Momente. Solche Gespräche dauern manchmal eine Stunde, manchmal auch länger und sind in jedem Fall aufwendiger als eine Dialyseanlage ins Zimmer zu fahren und anzuschließen aber sie sind wichtig und gut und richtig.
Es gibt ein Umdenken in der jungen Medizinergeneration, ich glaube wir sind da auf einem guten Weg.

*metastasiert: der Tumor hat im ganzen Körper gestreut, auch als Tochtergeschwulste bezeichnet (warum eigentlich Töchter?), per definition wird in fast allen Fällen nur noch die Symptome (Schmerzen etc.) des Tumors, nicht mehr die Ursache bekämpft weil dieser überall ist

*Bronchialkarzinom: unter den fiesen und bösartigen Krebsarten eine besonders heimtückische weil man ihn meist erst bemerkt, wenn es zu spät ist. Macht gerne Tochtergeschwulste im Gehirn.

Prüfen, rufen, drücken. Gutes Ding.

Zitat:
„Vom 16.09. bis 22.09.2013 findet die Woche der Wiederbelebung unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Gesundheit statt. Das ist zugleich der Start für die Kampagne Ein Leben retten. 100 Pro Reanimation. Ihr Ziel ist es, das Bewusstsein in der Bevölkerung zu schärfen und zum Handeln zu motivieren. Möglichst viele Menschen sollen geschult werden. Reanimation ist einfach. Jeder kann es tun. Jeder Kann eine Leben retten.
Mit einer Erhöhung der Wiederbelebungsrate durch Laienhelfer direkt vor Ort des Geschehens könnten in Deutschland jährlich ca. 5.000 Menschenleben gerettet werden.“
(Quelle: http://www.100-pro-reanimation.de)

Ich halte das für eine sehr, sehr gute Aktion und möchte diese Aktion aufs Schärfste unterstützen! Wenn ich als Notarzt zu einem Herz-Kreislaufstillstand gerufen werde und es hat noch keiner angefangen zu „drücken“, ist der Drops schon so gut wie gelutscht. Klar, das Herz bekommt man sogar relativ oft nochmal wieder zum schlagen, aber bis dahin ist so viel Gehirn abgestorben, dass viel zu oft ein irreparabler Schaden entstanden ist. Und wir reden hier von Wachkoma, nicht von leichter Vergesslichkeit.
Mitmachen ist angesagt! Ich weiß, dass in unserem Krankenhaus vom 16. – 22. September täglich (!) ein Reanimationsgrundkurs angeboten wird und von befreundeten Anästhesisten weiß ich, dass die ähnliche Aktionen haben.
Also informiert Euch doch mal kurz im Krankenhaus in Eurer Nähe ob die da auch mitmachen.
Reanimation ist genauso einfach wie wichtig. Danke an alle die mitmachen!

100 pro Reanimation

100 pro Reanimation. Ein Leben Retten.